Ich erlebe immer wieder, dass Menschen ihre eigene Meinung nur aus der persönlichen Perspektive bilden. Schlimmer noch: sie bewerten auch mit ihrem persönlichen Maßstab.
Was für mich richtig und gut ist, was sich für mich bewährt hat, dass muss auch für andere die richtige Lösung sein.
Stimmt selten, eigentlich nie.
Ich habe einen Bekannten, der beruflich viel unterwegs ist.
Für mich eine Quälerei, ständig auf Achse, selten bei der Familie. Bewundernswert, wie er das aushält.
Doch nein! Halt! Er empfindet das ganz anders. Gott sei Dank Ruhe vor der nervigen Familie. Unter dem Vorwand beruflich unterwegs sein zu müssen kann er es sich gut gehen lassen. Und Belastung? Fehlanzeige.
Gerade das Gegenteil also von meiner (spontanen) Einschätzung.
Heißt: Unabdingbar hat jeder Mensch seinen eigenen individuellen Maßstab. Egal, woher dieser Maßstab kommt (z. B. Prägung, Erziehung, Wertekanon, Glaubenssätze) bildet er die Haltestange in unserem eigenen Leben. - Ich in meinem Leben, Du in Deinem.
Damit wird die Bewertung einer Handlung (eines Mitmenschen) nur dann Sinn-voll, wenn man neben der (mehr oder weniger objektiven) Beobachtung auch den Kontext des Gegenübers einbezieht.