Mittwoch, 28. Januar 2026

Reframing – das mächtige Werkzeug

Werfen wir mal einen Blick in den Werkzeugkasten, mit dem ich die Rädchen, Getriebe und diversen Motoren in meinem Denkkasten repariere und warte. Da hängt an der Wand ein Haken mit einem Hobel an der Seite, darunter ein kleines Schild mit sauberer Schrift "Reframing". Auf den ersten Blick recht unscheinbar neben allen großen Werkzeugen, Zangen, Maschinen, Ersatzkabeln und einem kleinen Kran. Doch dieses Werkzeug hat es in sich, kann mit seinem Haken ein Bild aus seinem Rahmen entfernen und mit dem Hobel in einen neuen Rahmen einpassen. Und dann gibt es noch die flache Kante, die als Hammer fungiert und das Bild endgültig im neuen Rahmen fixieren hilft.

Reframing das mächtige Werkzeug

Neurahmung also, eine Option, etwas zu modernisieren, aufzuhübschen, anzupassen. Allerdings nur den Gesamteindruck, nicht das Bild an sich. Genau das ist das Besondere. Man muss kein neues Bild erwerben, es umarbeiten oder von einem Künstler verändern lassen, nein, die neue Wirkung erzielt man ausschließlich durch die Veränderung des Rahmens. Überschaubare Arbeit, die ich auch ohne fremde Hilfe ausführen kann.

Vor einigen Jahren hatte ich eine recht schmerzhafte Verletzung meiner Hüfte. Liegen oder sitzen konnte ich ganz gut, aber sobald ich mich bewegen wollte wurde ich sehr deutlich an die Verletzung erinnert. Wochen und Monate vergingen, bis sich die Entzündung zurückgezogen hatte und ich wieder uneingeschränkt laufen konnte. Und auf einmal bekam das Rasenmähen - bis dahin eine eher lästige Pflicht - eine ganz neue Qualität. Ich freute mich, dass ich draußen sein konnte, in der frischen Luft über den Rasen laufen konnte, dass mein Bein nicht weh tat und dabei: nun ja, vor mir war halt ein Rasenmäher.

Regelmäßig ärgere ich mich, weil ein Kollege seine Kaffeetasse nicht in die Spülmaschine einräumt. Dann kam Corona. Niemand war da, der eine Kaffeetasse brauchte oder sie gar ungespült in der Küche stehen ließ. Es war alles leer, kein Kontakt, kein Ärger, aber auch kein Gesprächspartner. Ich vermisste ihn, selbst das Wegspülen hätte ich gemacht, wenn ich dafür mit ihm ein kleines Schwätzchen hätte halten können.

In beiden Beispielen hat sich die Tätigkeit nicht verändert, ist also das Bild gleichgeblieben. Auch habe ich nicht meine Perspektive gewechselt, von einer anderen Position aus geschaut oder mich in etwas hineinversetzt. Aber ich habe die Szenen in einen anderen Kontext gestellt, sei es die Dankbarkeit für meine Gesundheit und die Freude darüber, dass ich (wieder) im Garten herumlaufen kann. Sei es die Anerkennung des Wertes, miteinander zu sprechen und die eher nebensächliche Störung in Form hinterlassener Tasse.

Gute Fragen in diesem Zusammenhang sind "was hängt noch damit zusammen?", "was würde mir fehlen?", "ist es nicht Teil der Lebendigkeit?". Und recht leicht lässt sich ein neuer Rahmen herstellen, der nicht nur ein neues, sondern durch meine freie Gestaltung ein besseres Gesamtergebnis erbringt. Es hängt damit zusammen, dass ich das Gute im Bild erkenne und dies durch die Rahmenform, seinen Stil und seine Farbe herausarbeite. Selbst eine verblassende Schwarzweiß-Fotografie kann so zu einem Blickfang werden.

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Mittwoch, 21. Januar 2026

Empathie für Gefühllose

Immer wenn ich das Wort Empathie höre, denke ich an einfühlsame Psychologen, Sitzen im Stuhlkreis, vielleicht eine unangezündete Kerze in der Mitte und Gespräche darüber, wie man sich fühlt. Atmosphäre und Gespräche sind geprägt von einer Aura des Verstehens, der betrachtete eigenen und fremden Gefühlswelt.

Nun gibt es Menschen, die genau das lieben, die es großartig finden, sich mit ihren Mitmenschen darüber auszutauschen, wie sich fühlen und was dies oder jenes mit ihnen macht. Die ein naturgegebenes Gespür für das fremde und das eigene Seelenleben zu haben scheinen. Und genau das auch ausleben und thematisieren. Dafür ist ihnen jede Alltagssituation recht und ein explizit hierfür angebotener Austausch wie der von mir erwähnte Stuhlkreis erst recht.

Empathie für Gefühllose

Ich gehöre nicht dazu. Empathie bedeutet für mich keinen schwingungserfüllten Raum, sondern ganz nüchtern die Beschäftigung mit meinem Gegenüber. Ohne irgendeine psychologische Antenne kann ich meinem Mitmenschen ins Gesicht sehen, seine Mimik oder auch Gestik verfolgen und so einen Eindruck erhalten, in welcher Stimmungslage er sich befindet, welche Gefühle und Gedanken er vielleicht gerade hat. Das ist beim Pokerspiel genauso hilfreich wie bei Verhandlungen oder der Besprechung von Beziehungsthemen.

Und ich kann zweitens den Standpunkt meines Gesprächspartners einnehmen. Was motiviert ihn zu seiner Aussage, was ist die (eigentliche) Botschaft, was ist sein (vielleicht unausgesprochener) Appell an mich. Perspektivwechsel ist ein Grundpfeiler der Empathie, sich in den anderen hinzuversetzen eine Voraussetzung dafür, dass ich mein Verhalten an ihm orientiere. 

Eine Aktion hat immer zwei Seiten. Mein Gegenüber hat etwas für mich Gutes gemacht oder gesagt. Ich bekomme also ein kleines Geschenk, irgendetwas, was nicht erkauft oder erzwungen ist. Wenn es mir gefällt gehe ich darauf ein und gebe in irgendeiner Form positives Feedback, sei es ein Dank, ein Lob, eine Gegengabe. Das hat nicht nur das Ziel eines reinen Dankes oder einer höflichen Reaktion, sondern das nüchterne Kalkül, dass ich mir eine gelegentliche Wiederholung wünsche.

Daneben gibt es aber noch einen zweiten Grund, warum man auf das Geschenk reagieren sollte. Es ist die Frage, was in der Gegenseite vorging, was sie motiviert hat. War es ein kleiner Liebesbeweis, ein Versuch mich zu bestechen, die Freude am Schenken oder die Gegengabe für ein Geschenk, das ich irgendwann mal übergeben habe. Wie auch immer, dies gilt es zu ermitteln und seine eigene Reaktion daran auszurichten.

Und drittens ist es zentral wichtig, das Geschenk als solches nicht nur zu erkennen, sondern diese Wahrnehmung auch zu kommunizieren. Mit anderen Worten anzusprechen, dass man gerade etwas ungefragt erhalten hat. Wie überschwänglich die Reaktion ausfällt, wie ehrlich sie ist oder ob sie sprachlich, als Umarmung oder andere Geste ausfällt: Das richtet sich auf den Einzelfall und die Situation. In jedem Fall aber signalisiert man damit, dass man etwas wahrgenommen, es nicht als selbst-verständlich genommen hat.

Zwar hat Empathie etwas mit Gefühlen zu tun, aber grundsätzlich erfordert sie eher generelle Aufmerksamkeit und Berücksichtigung der Beobachtung bei der eigenen Reaktion. Und dafür braucht man weder einen Stuhlkreis noch eine besondere psychologische Antenne. Allerdings gibt es Menschen, denen die Kette Beobachten-Hineinversetzen-Reagieren leichter fällt, andere die dies entweder anstrengend finden oder als Schnickschnack abtun.

Letzteres würde ich als Sichtweise nicht empfehlen, da sie das Leben außerhalb der eigenen Umgebung deutlich konfliktreicher und schwieriger macht. Egal, ob diese Umgebung von Bauhandwerkern oder Vorstandsmitgliedern geprägt ist.

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Donnerstag, 15. Januar 2026

Ein anderer Zug hat Vorrang

Die Fahrt ist gut angelaufen, die ersten Stationen haben wir mit einer Verspätung erreicht, die der routinierte Bahnkunde schon als normal empfindet. Doch im nächsten Bahnhof bleiben wir stehen. Wie gewohnt passiert erst mal nichts, keine Weiterfahrt, keine Durchsage, einfach nichts. Doch dann meldet sich eine Stimme aus dem Lautsprecher und erklärt, dass sich unsere Weiterfahrt noch verzögert, ein anderer Zug habe Vorrang.

Ein anderer Zug hat Vorrang

Ich schaue aus dem Fenster. Der kleine Bahnhof ist leer, keine Fahrgäste, kein Zug. Minuten vergehen, dann setzt sich unser Zug wieder in Bewegung. Wo mag er nur sein, dieser andere Zug mit Vorrang?

Durch den Halt habe ich genug Zeit, mich mit dem Thema Portfoliomanagement zu beschäftigen. Da arbeitet man sich auch langsam auf die Liste der hochpriorisierten Projekte vor, doch dann - schwupps - taucht ein neues Projekt aus dem Nichts auf und wirft die bisherige Priorisierung über den Haufen. Bei der jetzt entschiedenen Tranche ist mein Vorhaben nun plötzlich doch nicht dabei, die Antragsunterlagen werden archiviert und müssen bei der nächsten Runde aktualisiert erneut vorgelegt werden.

Änderungen können vorkommen und neue Situationen eine Neuplanung erfordern. Aber wirklich irritierend ist es, wenn dann die Störenfriede genauso überraschend verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Geisterzüge, Geisterprojekte. Einziger Trost, dass es dann irgendwann doch noch weitergeht, nur nicht im Zeitplan.

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Mittwoch, 7. Januar 2026

Alles wird schneller

Wir leben in einer spannenden Zeit, in der viel Bewegung zu erkennen ist. Technische Veränderungen ereilen uns nicht nur an einer Vielzahl von Fronten, auch die Anzahl der Veränderungen pro Zeiteinheit hat ein hohes Niveau erreicht. Und alle paar Jahre gibt es neben der ohnehin schon zügigen Evolution auch noch eruptive Entwicklungen wie die Verbreitung von Smartphones oder das Angebot von ChatGPT.

Diesen Entwicklungen stehen die einzelnen Menschen und als regionale Gesamtheit auch die Gesellschaft gegenüber. Ein Anpassen, Mitmachen, Mitdenken ist nicht nur wünschenswert, es ist unumgänglich. Egal ob Routenplanung, Buchung von Arztterminen oder der Aufruf von Speisekarten: Ohne modernes technisches Equipment wird es schwierig.

Das setzt sich in einem rasanten Wachstum der Anzahl installierter Apps fort, viele davon mit eigenen Passwörtern oder PIN-Codes, unterschiedlicher Bedienung und regelmäßigen Updates bezüglich Leistungsumfang und Oberfläche.

Alles wird schneller

Doch das ist nur die technische Sicht der Dinge. Auch um uns herum hat die Geschwindigkeit zugenommen. Hausbau ist einerseits eine zunehmend teure Angelegenheit, andererseits aber auch eine langfristige Bindung, die von vielen jüngeren Menschen als lästig empfunden wird. Mietverträge sind flexibler. Analog gilt dies für Beschäftigungsverhältnisse, die von den Angestellten alle paar Jahre hinterfragt werden.

Partnerschaft: War die Verbindung eines Paares in der Mitte des letzten Jahrhunderts erst nach der formalen Hochzeit möglich, beobachten wir inzwischen den Trend zu Partnerschaften mit offener Laufzeit. Selbst wenn geheiratet wird, ist dies kein Garant für lebenslange Zweisamkeit, eine Scheidung stellt die verlorene Ungebundenheit wieder her.

Gemeinsame Kinder sind zwar ein Aspekt, der beachtet und berücksichtigt werden muss, aber das Modell der Patchwork-Familie etabliert sich und ersetzt in Kombination mit Angeboten für Alleinerziehende den festen Ansatz einer Vater-Mutter-Kind-Konstellation.

Politische Ansätze bestehen nicht mehr über Jahrzehnte; Selbst eine Legislaturperiode scheint für die Entwicklungen und Veränderungen noch zu lang zu sein. Parteiprogramme müssen angepasst, die Mitglieder informiert und eingebunden, die Ausrichtung ständig neu justiert werden.

Schließlich erleben auch der tägliche Umgang, soziale Kontakte und Interaktionen eine ganz neue Taktung. Vereine mit Tradition, mehr oder weniger starrer Struktur und Organisation verlieren ihre Mitglieder, die sich stattdessen in Communities und Internet-Plattformen austauschen. Zeitlich und räumlich flexibel, ohne Vertrag oder Fristen.

Typische Leidtragende dieser Beschleunigung sind zudem die Glaubensgemeinschaften. Scharenweise treten Menschen aus den Kirchen aus, ersetzen ihren Beratungsbedarf individuell durch Coaches, Therapeuten oder folgen Idolen in den Social Media. Die über Jahrhunderte konservierte Vorreiter-Rolle von Göttern, Heiligen und Propheten geht in eine temporäre Anhängerschaft bei Influencern über.

Zweierlei kann man dazu zusammenfassend feststellen. Zum einen, dass sich diese Veränderung nicht aufhalten lässt. Es ist sinn- und zwecklos, mit irgendwelchen Maßnahmen dagegenhalten zu wollen und den Status Quo zwangsweise beizubehalten. In Bewegung geratene Änderungen kann man nicht mehr stoppen oder gar zurückrollen.

Und zum anderen handelt es sich um Entwicklungen, mit denen einzelne Menschen wie auch die Gesellschaft insgesamt überfordert sind, was zu Spannungen und Konflikten führt, deren Ausmaße wir im Moment nur erahnen können. Um dies zu vermeiden müssen wir dieses Spannungsfeld erkennen und so weit verringern, dass die Geschwindigkeit wieder menschlich wird.


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Donnerstag, 1. Januar 2026

24 Sichten auf das Jahr 2026

Weinseliger Rückblick auf ein vergangenes Jahr oder alkoholvernebelte gute Vorsätze für das zukünftige Jahr? Hier eine alternative Fassung, sich beim Meilenstein „Jahreswechsel“ Gedanken zu machen.

24 Sichten auf das Jahr 2026

Absicht – Gute Vorsätze haben Absicht, aber erst Taten verleihen ihnen Gewicht.

Ansicht – Die Ansicht ändert sich, sobald man einen Schritt zur Seite macht.

Aufsicht – Wer über sich Aufsicht führt, braucht weniger Nachsicht von anderen.

Außensicht – Von außen sieht man oft klarer, aber nicht immer wärmer.

Aussicht – Aussicht entsteht dort, wo man den Blick hebt und nicht den Kopf senkt.

Draufsicht – In der Draufsicht schrumpfen Probleme auf handliches Format.

Durchsicht – Nach der Durchsicht bleibt oft weniger, dafür Wesentlicheres.

Einsicht – Einsicht kommt selten auf den ersten Blick, aber fast immer zu spät.

Fernsicht – Fernsicht heißt nicht, alles zu wissen, sondern weiter zu denken.

Fremdsicht – Fremdsicht ist wie ein Spiegel mit unbekanntem Rahmen.

Gesamtsicht – Die Gesamtsicht zeigt, dass auch Umwege Teil des Weges sind.

Hinsicht – In dieser Hinsicht lohnt es sich, genauer hin als vorschnell wegzusehen.

Innensicht – Innensicht ist kein Rückzug, sondern ein Nach-Hause-Schauen.

Mitsicht – Mitsicht bedeutet, nicht nur mitzugehen, sondern mitzudenken.

Nachsicht – Nachsicht ist, wenn man Fehler sieht und trotzdem weitermacht.

Rücksicht – Rücksicht nimmt Tempo raus, ohne Richtung zu verlieren.

Selbstsicht – Die Selbstsicht wächst, wenn man sich nicht ständig kleinrechnet.

Teilsicht – Jede Teilsicht hat recht, aber nie allein.

Übersicht – Übersicht ist, wenn das Gedankenchaos endlich Ordnung findet.

Umsicht – Umsicht heißt, nicht nur den nächsten Schritt zu sehen, sondern den Boden.

Untersicht – In der Untersicht erkennt man, was sonst übersehen wird.

Vorsicht – Vorsicht schützt, solange sie nicht am Gehen hindert.

Weitsicht – Weitsicht misst Zeit nicht in Tagen, sondern in Bedeutung.

Zweitsicht – Zweitsicht rettet erste Gedanken vor endgültigen Fehlern.


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Mittwoch, 17. Dezember 2025

Qualität ist…

Da gibt es doch diese lustigen Bildchen mit wechselnden Inhalten, unter denen jeweils eine Ergänzung zu "Liebe ist..." steht. In mehr oder weniger kitschigen Szenen wird eine Ausprägung dieses emotionalen Phänomens beschrieben. Es ist ja auch bisher niemand gelungen, hierfür eine allgemein akzeptierte Definition zu finden: Was ist das eigentlich, diese "Liebe"? Und entsprechend ist viel Platz für die Auslegung.

Was bei der Liebe schier unmöglich scheint, ist bei der Qualität aber auch nicht viel besser. Was der eine unter diesem Begriff versteht, ist für den anderen wenig oder gar nicht zutreffend. Und das beginnt schon damit, dass wir von vorneherein eine Wertung vornehmen, also Qualität als etwas Positives verstehen, was sie aber erst mal gar nicht ist. Sie ist völlig neutral und bezeichnet die Beschaffenheit einer Sache.

Qualität ist


Und damit wird schon klar, dass die Bewertung erst durch einen zweiten Schritt erfolgt. Sehr schön kann man das bei Hotelbeurteilungen verfolgen. Während sich die Gäste in Drei-Sterne-Häusern lobend über die kleine Aufmerksamkeit auf dem Kopfkissen äußern und damit die Übernachtungsqualität als gut einschätzen, weht der Wind bei Vier-Sterne-Häusern aus einer anderen Richtung. Nicht allein, dass das Schokolädchen als Selbstverständlichkeit erwartet wird, eher wird kritisiert, dass das bereitgestellte Shampoo nicht dem eigenen Duftwunsch entspricht; was zu einer negativen Bewertung führt.

So ist zwar die Qualität (Beschaffenheit) besser, die Beurteilung aber schlechter.

Qualität, so könnte man formulieren, ist also das Verhältnis zwischen Erwartung und Erfüllung. Je höher der (relative) Preis, desto höher die Erwartung, desto aufregender und überdurchschnittlicher muss das Angebot sein. Standard zu hohem Preis wird als überhöht empfunden, besondere Leistung zum Basispreis entweder nur wohlwollend zur Kenntnis genommen oder sogar misstrauisch beäugt.

Nun ist der Begriff der Qualität nicht nur für Hotels anwendbar. Und auch der Blick auf technische Geräte oder menschliche Dienstleistungen zeigt nur einen Teil. Vielmehr passt die Frage nach der Qualität auch für das eigene Arbeitsverhältnis, die eigene Partnerschaft oder das eigene Leben.

Die optimale Arbeitsstelle gibt es nicht. Bestenfalls hat man bestimmte Wünsche, Vorstellungen, Fähigkeiten, die man gut mit den Bedingungen der Tätigkeit abgedeckt bekommt. Ob man großen Wert auf eine gute Kantine, Homeoffice-Optionen oder kameradschaftliche Umgangsform legt, ist individuell unterschiedlich und kein grundsätzliches Qualitätsmerkmal.

Ähnlich in der Partnerschaft. Wer einen Partner sucht, der erlebt Menschen mit mannigfaltigen Eigenschaften. Wie ausgeprägt zum Beispiel der Ordnungssinn, die Sportlichkeit, das Aussehen oder die Verlässlichkeit sind, ist nicht nur individuell unterschiedlich, sondern auch individuell unterschiedlich relevant. Kann schon mal die dreckige Wäsche durch die Wohnung fliegen, dann brauche ich keinen Aufräumpingel, er kann mir sogar auf die Nerven gehen.

Und das eigene Leben? Auch bei diesem sollte die Erwartung an sich selbst mit der realistisch möglichen Leistung korrelieren. Die Bestimmung des Marktwertes bezüglich beruflicher Qualifikation, Ausstrahlung, Konkurrenz und realistischen Zielen ist neben dem Selbstmarketing ein wichtiger Faktor für ein zufriedenes Leben.

Bei diesen drei Beispielen kann man angesichts der vielen möglichen Parameter immer nur einen Ausschnitt betrachten. Das ist übrigens auch ein wichtiger Aspekt, bei den sehr wissenschaftlich aufgebauten Tests der Stiftung Warentest ist dies immer in der Rubrik "So haben wir geprüft" nachzulesen. Und da erkennt man deutlich, was betrachtet (und rückschließend auch was nicht betrachtet) wird. Sind die Bilder in den Bürofluren egal, spielt die Augenfarbe meiner Partnerin keine Rolle oder ist mir eine eigene Immobilie egal, dann ist das für die Bewertung der Qualität der betrachteten Situation unwichtig.

Am Ende muss man sich also zur Orientierung ein paar Fragen stellen. In welchem Segment bin ich für die betrachtete Situation unterwegs, welcher Preis (auch als Begriff für Gegenleistung) wird gefordert, was kann ich dafür im Standard erwarten, was wird tatsächlich angeboten? Diese Fragen entscheiden, ob ich zulässig die Qualität als gut oder schlecht beschreiben, ein begründetes Urteil abgeben kann.

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Mittwoch, 3. Dezember 2025

Entwicklungen und Zukunft

Entwicklungen und Zukunft
Im Zusammenhang mit der Betrachtung der Zukunft gibt es nach Einschätzung von Fachleuten drei typische Szenarien. Man kann die Entwicklung zu positiv oder zu negativ einschätzen oder man liegt einfach komplett daneben. Anders ausgedrückt ist es schlichtweg unseriös, einen auch nur halbwegs zuverlässigen Blick auf die weitere Entwicklung zu werfen. Das gilt für uns selbst, für unsere Partner, aber auch für Beruf und Gesellschaft.

Und dann kommen drei Strategien ins Spiel, wie Menschen mit dieser Unplanbarkeit umgehen, statt sie einfach als gegeben zu akzeptieren.