In meinem Badezimmer stehen verschiedene Fläschchen mit allerlei Parfüms und Düften. Da sind die hochwertigen Flacons vom weihnachtlichen Gabentisch neben den einfachen Familienpackungen mit parfümiertem Deodorant für den Alltag. Manche duften nach Orange, andere verbreiten das Aroma von Mittelmeer und Urlaub. Erfrischen tun sie alle, ein mehr oder weniger angenehmes Hauterlebnis inbegriffen.
Doch sie unterscheiden sich deutlich in der Packungsgröße und im Preis. Steht erst mal der Name einer exklusiven Parfummarke darauf, wird es teuer. Und das bei einer recht kleinen Menge. Ehrfürchtig betrachte ich sie, merke sie für das besondere Erlebnis am Samstagabend vor. Eine kleine Portion muss genügen, ich genieße sie vom Öffnen der Flasche bis zum Duschen am nächsten Morgen.
Die Verknappung (kleine Verpackungseinheit) oder der hohe Preis führen also zu einem anderen Umgang mit der Ware. Das beobachtet man auch bei anderen Situationen im Alltag. Ist das teure Obst a priori besser als das billige? Und warum genießen wir nicht auch diejenigen Lebensmittel als etwas Besonderes, die inzwischen zur Massenware geworden sind: Stichwort Südfrüchte.
Klein und teuer ist also wertvoll und erzeugt bei mir unwillkürlich eine erhöhte Wertschätzung. Dabei ist das im einen oder anderen Fall gar nicht zutreffend, sei es, dass die Seifengrundlage des Premiumproduktes gar nicht so gut ist, sei es andererseits, dass ein preisgünstiges Produkt aus dem Drogeriemarkt hervorragende Dienste leistet.
Marketingstrategen kennen das. Man adressiert über den Preis auch eine bestimmte Käufergruppe, schließt explizit die Schnäppchenjäger aus oder wendet sich bewusst an einen Massenmarkt. Einen guten Preis zu setzen, der von der Zielgruppe akzeptiert wird und von dieser nicht nur bezahlt, sondern auch als Gruppendefinition verstanden wird, ist eine Kunst für sich. Wer den Sommer im Club Robinson Urlaub verbringt, möchte nicht nur einen hochwertigen Urlaub erleben, sondern auch von Seinesgleichen umgeben sein.
Fazit: Die Preisgestaltung (bzw. Wertschätzung) ist bei allen Dingen - von Produkten bis zu den eigenen Fähigkeiten - ein Schlüsselfaktor. Da kann man leicht mal unter Wert verkaufen und damit seine Leistung verramschen. Oder allzu hoch pokern und den Marktwert überhöht einstellen. Dann dürfte es schwer werden Interessenten zu finden.
Und als zweite Folgerung aus dem Bild von den Parfümfläschchen kann man sich immer mal wieder die Frage stellen, ob die individuelle Wertschätzung nicht von außen gesteuert wurde. Das gilt natürlich nicht nur für Produkte, sondern auch für Gestaltung, Arrangement, Aussehen und nicht zuletzt für die Liebe in all ihren Ausprägungen.