Samstag, 28. Dezember 2019

Denn der Mensch heißt Mensch

Das Besondere ist: Wir können uns anpassen. An jede Gelegenheit. An jede Umgebung. An jede neue Situation.
Das ist ein gigantischer Vorteil gegenüber anderen Spezies, ist aber gleichzeitig auch ein schwieriges Feld. Spätestens ab einem gewissen Alter beginnt der Körper, alle aktuell nicht genutzten Ressourcen - körperlich wie auch geistig - zurückzubauen.

Ein Blick auf unseren Körper: Jeder bekommt eine gewisse körperliche Konstitution vererbt. Er kann sie nutzen. Er kann sie trainieren. Er kann sie verfallen lassen. Wir kennen alle genügend Beispiele, wie Handwerker (nutzen), sportive Menschen (trainieren) und Sofa-Hocker (verfallen lassen).
Welche dieser Entwicklungen wir wählen, ist unsere eigene Entscheidung. Allerdings kann man sagen, dass uns die (mehr oder weniger notgedrungene) Nutzung naheliegt, das Training Mühe bereitet und das Ignorieren am angenehmsten ist.
Um uns rundum fit zu halten, ist professionelle Unterstützung notwendig. Nur ein Fachmann (z. B. Personal Trainer) kann kompetent beraten und verhindern, dass der Abbau in unserem Körper schneller voranschreitet als die Erhaltung.

Ein Blick auf unseren Geist: Analog die selbe Situation. Auch hier haben wir eine gewisse Grundausstattung in die Wiege gelegt bekommen. Aber es ist uns deutlich weniger bewusst - weil weniger äußerlich sichtbar -, dass auch hier alle drei Entwicklungen (Nutzung, Training, Verfall) vorkommen.
Auch hier bedarf es eines "Trainingsprogramms", um die (geistige) Fitness zu erhalten. Psychologen berichten in Studien, dass diese oder jene Tätigkeit gut für die Erhaltung der geistigen Wendigkeit im Alter ist. Je nach Untersuchung werden Knobelaufgaben, Fremdsprachen, Musikinstrumente und dergleichen genannt.
Auf die Mischung kommt es dabei an. Neben Krafttraining gilt es auch Ausdauer und Koordination in Schwung zu halten. Das könnte dann bei der mentalen Fitness zu den erwähnten Empfehlungen der Psychologen führen.

Sowohl im körperlichen als auch im geistigen Umfeld gilt: Engagement hineinstecken ist zwar anstrengend, jedenfalls aber empfehlenswert. Denn wer es sich da leicht macht bekommt früher oder später die Quittung: Er wird körperlich eingeschränkt und geht am Stock (sichtbar) oder wird geistig träge und wird starr (unsichtbar).

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Das fühlt sich jetzt ganz anders an

Seit ich mit dem Gedanken spiele auszuziehen ändert sich die ganze Welt. Es reicht schon, sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen, und schon ist an zig verschiedenen Fronten die Situation ganz anders.
Plötzlich stehen Fragen im Raum, die man vorher nicht hatte. Soll ich überhaupt noch renovieren, lohnt es sich noch, den Wasserhahn auszutauschen. Muss diese oder jene Reparatur noch gemacht werden?
Aber auch: Eigentlich ist es doch schön hier. Und dieser oder jener gewohnte oder sogar lieb gewordene Aspekt wird mir fehlen. Der Geruch wird sich ändern, die Lichtverhältnisse abhängig von der Tageszeit, auch die Temperatur in den verschiedenen Räumen. Werde ich mich wohl oder sogar wohler fühlen?

Ausgelöst durch solche tatsächlichen Änderungen des Umfeldes - und seien es auch nur intensive Gedankenexperimente - beeinflussen wir unsere Eindrücke. Gerüche, Gefühle, aber auch Wertschätzung für das (positive) Vorhandene werden reaktiviert.
Durch Gewohnheit eingeschlafene Wahrnehmungen wachen wieder auf.

Auf solche Gedankenreisen kann man sich zu jedem Thema machen. Sei es die Arbeit, die Partnerschaft, seine Mitmenschen oder Hobbies. Und in (fast) jedem Fall kommen dabei neue Erkenntnisse heraus.

Die Geschichte vom Pickel

Da steht man morgens auf... nichts Böses ahnend und ein Blick in den Spiegel: Oh nein!

Hat sich doch über Nacht ein Pickel im Gesicht entwickelt, einen halben Zentimeter groß ist er und leuchtend rot. Er springt geradezu ins Auge.

Natürlich mache ich, was ich kann, ein Abdeckstift mildert die Optik ein wenig, aber der Pickel ist immer noch unübersehbar. Hilft aber nichts, ich muss aus dem Haus, mit der Bahn zur Arbeit und ins Büro. Ich habe den Eindruck, dass mich jeder anstarrt und den Pickel sieht - mag stimmen, oder auch nicht.

Mal ein wenig nüchtern betrachtet: Der Mitesser hat eine Fläche von gerade mal 0,00002 qm, gegenüber einer Körperoberfläche von rund 2 qm, also 0,001 Prozent! Nicht der Rede wert, oder? Aber eben doch ein relevanter Störfaktor.

Und genau das will ich mit dieser kleinen Geschichte sagen: Oft springt ein vernachlässigbar kleiner Aspekt in den Mittelpunkt der Wahrnehmung. Sei es, dass man mit irgendeiner völlig nebensächlichen Eigenschaft selbst unzufrieden ist. Sei es, dass eine eigentlich unwesentliche Anforderung unangemessen in den Mittelpunkt rückt.

Da hilft es, die vermeintlich zentrale Störung des Wunschbildes ganz nüchtern ins Verhältnis zum Umfeld zu setzen und dadurch zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit zurückzufinden. Denn: Was stört mich der (seelische) Pickel?