Montag, 28. September 2020

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Sonntag, 27. September 2020

Das Gehirn ist auch ein Muskel

In der heutigen Zeit hat sich ein gewisser Körperkult entwickelt. Das Zielbild von erstrebenswertem Aussehen verfolgt uns quer durch die Medien, durch die Werbung und durch die Gesellschaft. Wenn man nicht den Kopf in den Sand steckt (und sich auszuklinken versucht), ist jeder davon betroffen.

Folglich wird viel Energie, Zeit und Aufmerksamkeit in den Körper, dessen Maße und das Training der Muskulatur gelegt. Das Ergebnis sieht man im Alltag, deutlicher noch im Badeanzug und endgültig ohne Bekleidung in der Sauna.

Doch unser Körper ist zwar ein wichtiger Teil unseres Lebens, aber im Grunde nur Mittel zum Zweck. Er muss leistungsfähig genug sein, unsere Tätigkeit auszuüben. Für Bauarbeiter heißt das natürlich etwas anderes als für Schreibtischtäter. Aber hier wie da ist die Beschäftigung mit Fitness eher flankierend wichtig.

Ein anderes – durchaus vergleichbares – Bauteil ist unser Gehirn. Ähnlich der Muskulatur muss es gepflegt und trainiert werden. So wie es körperlich faule Sesselhocker gibt, so kennen wir auch geistig immer träger werdende Mitmenschen.

Es erfordert zwar keinen Schweiß, den Denkapparat anzustrengen, aber mühsam ist es auch. Und im Idealfall wird man sich auch hierzu Strategien, Übungen und einen Trainingsplan zurechtlegen.

Bedauerlicherweise sieht man die Ergebnisse nicht so deutlich, manches verläuft sogar sehr verborgen ab. Dadurch sind die Erfolgserlebnisse meist seltener und schlechter messbar. Auf einen Sixpack-Bauch wird man angesprochen, auf die Perfektionierung seiner Schachfähigkeiten eher nicht.

Das darf aber nicht entmutigen! Die Erfolge kommen später, aber sie kommen: Zum Beispiel in Form von herausgezögerten Alterungsprozessen (analog zur grundsätzlichen Gesundheit), durch geistige Wendigkeit auch nach Jahrzehnten auf der Welt (analog zur Beweglichkeit) und überhaupt durch ein breiteres Weltbild (analog zum vielseitigen Körpereinsatz).

Betrachten wir also das Gehirn als Muskel. Es braucht Herausforderungen und Anstrengung, sonst wird die Leistung immer geringer. Und ein erneutes Antrainieren ist äußerst mühsam.

Dienstag, 15. September 2020

Lethargie, Gelassenheit, Coolness

Wenn mir eine Wespe ins Gesicht fliegt und ich nicht hektisch um mich schlage, was bin ich dann: lethargisch, gelassen oder cool? – Die Frage lässt sich aus dieser kurzen Szene gar nicht beantworten, vielmehr spielt die Ursache der Nicht-Reaktion eine entscheidende Rolle.

Ist mir alles egal, einschließlich Stich und nachfolgendem Schmerz: Lethargie.
Habe ich zwar Bedenken wegen eines Stiches, schätze aber aus Wissen und / oder Erfahrung die Wahrscheinlichkeit eines Stiches für gering ein (sofern ich mich selbst entsprechend verhalte): Gelassenheit.
Rühre ich mich nicht, weil ich signalisieren will, dass ich mich von dieser Störung nicht aus der Ruhe bringen lasse und es mich zwar körperlich, aber nicht emotional bewegt: Coolness.

Im Alltag werden die drei Begriffe in ihrer Bedeutung oft vermengt. Aber der Lethargie liegt eine körperliche und oder psychische Trägheit zu Grunde. Menschen mit dieser Eigenschaft gehen mit unerwarteten Situationen unaufgeregt um, weil Überraschungen ihnen genauso egal sind wie absehbare Entwicklungen.

Gelassenheit kommt ganz anders daher. Vom Wortsinn her setzt sie sich aus „Ge“ und „Lassen“ zusammen, also der Menge des Lassens, des Zulassens. Wer das Unerwartete zulässt, in seine Reaktion (Antwort) einfließen lassen kann, der signalisiert Gelassenheit. Das setzt meist im Gegensatz zur Lethargie große Wendigkeit voraus und erfordert in der Regel Erfahrung. Impulsivität ist ein Feind der Gelassenheit, Nachdenklichkeit ihr Bruder.

Schließlich die Coolness. Insbesondere die emotionale Distanz (Kühle) spielt eine zentrale Rolle. Es mag als Außenbild des Fels in der Brandung als attraktives Ziel erscheinen (als Kult verkörpert von Humphrey Bogart), aber auf der Rückseite dieser Eigenschaft hat man – im Film Casablanca bildlich in Szene gesetzt  - auch die Gefühllosigkeit und Unfähigkeit zur menschlichen Nähe. Das hat in Abgrenzung zu den anderen Begriffen weder etwas mit mir-egal zu tun noch mit Bedacht.

Erstrebenswert scheint dabei zunächst die herablassende Coolness, die oberflächlich Souveränität signalisiert. Genauer betrachtet ist ein Souverän aber jemand, der ruhig reagiert, weil er die Sache bedacht hat, beraten wurde oder die Möglichkeit sieht, sich vor einer offenkundigen Reaktion eingehender damit beschäftigen zu können. Er ist nicht cool, er hat aber spontane Reaktionen unter Kontrolle und kann die sachliche und die emotionale Ebene getrennt und im Umgang gezielt steuern.
Die Lethargie wiederum schneidet für den Alltag als nicht umfänglich lebenstauglich aus. Die unter ihr liegende Teilnahmslosigkeit ist nämlich in allen Lebensbereichen, sowohl im sachlichen Umfeld als auch in zwischenmenschlichen oder gar partnerschaftlichen Beziehungen ein echter Hemmschuh. Wen nichts berührt, der reagiert auch nicht auf Sanktionen. Der hat zu nichts Lust, weder im Sinne von Motivation noch im Sinne von Veränderungen oder Chancen.

Lediglich die Gelassenheit, vor ein paar Sätzen ist sie uns am Rande schon bei den (echten) Herrschern, also den Souveränen, begegnet, ist uns in allen Phasen und Situationen ein empfehlenswerter Begleiter. Leider ist sie auch der anstrengendste Typus. Sie ist mehr als Fassade und erfordert viel innere Steuerung, Einfühlungsvermögen und einen flinken Geist.