Meine Tochter will immer von mir wissen, wofür etwas gut
ist. Dann erkläre ich ihr beispielsweise, dass ein Regenwurm ein wichtiges Tier
ist. Wichtig für den Boden, das Ökosystem und damit letztlich wichtig für uns
alle. Bei dieser Betrachtung findet sie den Wurm auch überhaupt nicht eklig und
trägt ihn sorgsam an eine Stelle, an der ich heute nicht gärtnere.
Bei anderer Gelegenheit entdeckt sie einige Raupen. Diese
sind vom Ast gefallen, dessen Blätter sie gerade vertilgten. Nun hat sicherlich
auch jede Raupe ihren Platz im Ökosystem, ist mir aber bei weitem nicht so
willkommen wie der Regenwurm. Da meine Tochter dies natürlich nicht überblicken
kann, ist auch die Raupe für sie ein nützliches Tier, das nach seinem Absturz
schutzbedürftig ist. Und vielleicht hat sie sogar Recht, denn aus der Raupe
wird möglicherweise ein schöner Schmetterling.
Also – mit Hinblick auf Unternehmen:
(1) Es ist eine Frage der Betrachtung, ob etwas „nützlich“
ist.
(2) Wer über die Nützlichkeit entscheidet, muss zwischen
einem Wurm und einer Raupe unterscheiden können.
(3) Jeder Eingriff in den Ablauf nimmt Einfluss auf das
Ökosystem. Dieses komplexe System muss sich danach mehr oder weniger deutlich
neu tarieren.
(4) Liebevolle Kümmerung um jede abgestürzte Raupe ist zwar
ehrenwert, gleichzeitig aber auch kindlich naiv.
(5) Auch unscheinbare Mitarbeiter sollte man im Auge
behalten, da sie bei geschickter Entwicklung gegebenenfalls eine bemerkenswerte
Leistung bringen können.