Mittwoch, 27. Dezember 2023

Zwischen den Jahren

Zwischen den Jahren
Da sind wir also mittendrin: In der Zeitlücke, die sich durch die Diskrepanz zwischen christlichem und weltlichem Kalender ergibt. Wir machen Urlaub „zwischen den Jahren“ und haben keine Angst, in eine Art Zeitloch zu fallen.

Diese Tage sind so eine Art zeitliches Niemandsland. Hat das Christentum sein Jahr mit dem 24. Dezember abgeschlossen und startet am 25.12. in das neue Jahr, haben die Menschen des ursprünglich römischen Reichs noch ein paar letzte Jahrestage bis zum 31.12. vor sich.

Wie gut, dass unser Körper weder auf den einen noch auf den anderen Kalender Rücksicht nimmt. Er stellt nur fest, dass es eine kurze Pause von Schlemmerei und Sozialkontakten gibt, bis es mit lauten Geräuschen, ausgedehnten Essensgelagen und großen Treffen erneut hoch hergeht.

In der Wirtschaft gibt es unterschiedliche Situationen. Einige Unternehmen haben höchste Last, müssen noch Abschlüsse erstellen, Folgeverträge schließen oder Zielerreichungen durchziehen. Bei anderen Unternehmen geht der Ablauf unverändert weiter, weil die Konsumenten auch in den Tagen nach Weihnachten in den Supermarkt kommen oder der Müll abgefahren werden muss.

Aber gerade in Dienstleistungsbranchen mit hohem Beratungsanteil, beispielsweise rund um das Finanzwesen, gibt es eine ausgedehnte Phase mit deutlich reduzierter Produktivität. Tatsächlich endet das Jahr hier etwa Mitte Dezember und beginnt Mitte Januar. Die Zeit dazwischen kann man mit Fug und Recht „zwischen den Jahren“ nennen.
 
Und während die Arbeiter noch für die 35-Stunden-Woche kämpfen haben Berater diese längst in Form des 11-Monats-Jahres eingeführt.

Mittwoch, 20. Dezember 2023

Weihnachten kann kommen

Er rückt wieder mal unerbittlich näher: Dieser Festtag, der häufig im Kreise der Familie begangen wird, der sich durch den Austausch von Geschenken auszeichnet und meist auch mit ganz viel Essen verbunden ist.

Weihnachten kann kommen

Aber der Heiligabend wirft natürlich auch seinen Schatten voraus. Da müssen Geschenke erdacht, vielleicht sogar gebastelt werden. Und natürlich ist Einkaufen angesagt, Vorbereiten der Mahlzeiten, Überlegungen bezüglich der Gäste und eventuell deren Unterbringung und Bespaßung.

Das wiederholt sich bekanntlich jedes Jahr und ebenso regelmäßig sind viele Menschen überrascht, ja geradezu überrumpelt, wenn der Heilige Abend vor der Tür steht. Hektisch werden noch ein paar Gaben eingekauft, das letzte Schnitzel aus der Kühlung des örtlichen Supermarktes geholt und eilig der Getränkevorrat aufgestockt.

Sicher, in der Adventszeit geht es oft beruflich nicht so besinnlich zu wie wir es uns wünschen. Jahresabschluss hier, Vertragsverlängerungen da, unabdingbare Arbeiten vor der abzusehenden Ruhephase in den Weihnachtsferien. Da ist verständlicherweise kaum Zeit, sich Gedanken zu machen oder gar liebevoll eine denkwürdige Feier vorzubereiten. Aber man könnte ja mit der Vorbereitung ein wenig früher beginnen. Zwar lässt sich nicht jedes Geschenk schon im Oktober kaufen, einige aber schon und einen durchaus merklichen Teil der Arbeit kann man bereits deutlich vor der stressigen Adventszeit erledigen. Die Pension buchen für Tante Jutta zum Beispiel. Oder die Lebkuchenpakete für die Cousinen bestellen.

Ich weiß nicht, ob wir uns bei der Weihnachtsplanung nicht auch an den Profis aus der Wirtschaft orientieren könnten. Die haben alle paar Monate Quartalsabschluss und fangen auch nicht am vorletzten Tag an, die Zahlen zusammenzutragen. Vielmehr wird fortlaufend gesammelt und nur die Berechnung und der Feinschliff erfolgen zum Schluss.

Andererseits erlebe ich aber auch im Berufsleben immer wieder einen „Weihnachts-Effekt“. Da ist jedem Mitarbeiter bewusst, dass er bestimmte Tätigkeiten machen muss. Aber am Ende der schon lange bekannten Deadline wird es dann doch hektisch. Und natürlich ist es nicht möglich, das Thema zu bearbeiten, weil man aktuell so viel auf dem Schreibtisch hat.

Sicher, bei voller Auslastung ist die Erledigung weiterer Aufgaben nicht möglich. Aber mit ausgesprochen hoher Wahrscheinlichkeit war davor doch mal eine Zeitlücke, in der man die regelmäßige Standardaufgabe hätte erledigen können.

Weihnachten einerseits, berufliche Arbeit andererseits, aber auch Aktivitäten für den Sportverein, private Verpflichtungen oder die Steuererklärung: Ganz vieles kommt gar nicht so unverhofft, wie wir es empfinden und dann auch entrüstet nach außen darstellen. Hier kann man sich an dem alten Sprichwort „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ orientieren.

Denn dann kann der Heiligabend kommen, ganz ohne Vorbereitungs-Stress.

Dienstag, 12. Dezember 2023

Das muss dich doch interessieren!

Das Schöne an Physik ist, dass sie auch dann funktioniert, wenn man sie nicht versteht. Man muss nichts über Verbrennungsmotoren wissen, um eine Auto fahren zu können, auch die Kenntnis von Quantenübergängen sind für die Nutzung eines Smartphones nicht erforderlich. Von den wissenschaftlichen Grundlagen für die Klebkraft von Tesa ganz zu schweigen.

Das muss dich doch interessieren

Also, wir leben immer ganz selbstverständlich mit den gerade in unseren Alltag aufgenommenen neuen Erkenntnissen. Nur ganz so selbstverständlich entstehen diese Erkenntnisse nicht, vielmehr sind sie meist das Ergebnis langer Forschung, Logikketten, Ausprobieren und jeder Menge Mathematik. Aber auch Irrwegen, Missdeutungen, fehlgeschlagenen Experimenten und falscher Theorien.

Diese Seite der menschlichen Entwicklung bezeichnen wir als Wissenschaft und bewundern Menschen, die ganz in diesen Denkstrukturen unterwegs sind, in Einzelfällen scheinen sie geradezu in die unergründlichen Tiefen ihrer Welt abzutauchen. Das führt dann dazu, dass sie den Alltag mehr am Rande mitmachen, in einem wie man sagt Elfenbeinturm leben. Eine Ausprägung ist der sprichwörtliche zerstreute Professor.

Konsequenterweise ist bei diesen Menschen kein Platz, sich mit dem nahen oder gar fernen Umfeld zu beschäftigen. Kommunalpolitik mag sie noch berühren, aber spätestens Weltpolitik ist ihnen fremd, interessiert sie einfach nicht. Wer selbst politisch interessiert oder gar engagiert ist, der bemängelt diese Sichtweise. Es scheint ein Mangel zu sein, denn jeder sollte sich doch mit Umständen befassen, die ihn mehr oder weniger direkt beeinflussen.

In der anderen Richtung werfen allerdings Wissenschaftler Politikern nicht vor, sich nicht für Mathematik oder Technik zu begeistern. Ihre Genugtuung an den eigenen Erkenntnissen, dem Verstehen von Sachverhalten reicht. Die Analogie, dass man sich dafür interessieren müsste, weil man ja schließlich auch selbst betroffen ist, diese Analogie wird höchst selten bemüht.

Jedenfalls können wir froh sein, dass es sowohl Politiker als auch Wissenschaftler gibt. Wirklich verstehen können sich diese beiden Fraktionen nicht, obwohl sie jeweils aufeinander angewiesen sind. Und das gilt natürlich in abgewandelter Form auch für andere Disziplinen, die im Sinne einer Gesamtheit miteinander auskommen müssen, sich vielleicht sogar brauchen, aber selbst mit gutem Willen kein inneres Verständnis für einander erreichen können.

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Tarzan

Zu den Wurzeln von Hollywood gehört Walt Disney. Viel mehr als ein Name, mehr als eine Firma, eher ein Traum in der Traumfabrik. Magie scheint in diesem Namen zu stecken, ich verbinde Begriffe wie Phantasie oder moderne Märchen damit. So weit entfernt, dass man die Inhalte nicht als Schau spielen kann. Und dann der geniale Ansatz, auch dieses Unspielbare auf die Leinwand zu bekommen, indem man es zeichnet.

Neben dem Meistern technischer Herausforderungen und dem enormen Einfallsreichtum bei der Umsetzung seiner Idee, war es notwendig, genügend Menschen für das Projekt zu gewinnen; Zeichner vorwiegend, die die Figuren in immer neuen Posen darstellten, kolorierten und für die große Zahl der erforderlichen Bilder sorgten.

Die Faszination für diese Form der Bewegtbilder hat bis heute angehalten. Die zentrale Funktion der Zeichner ist Entwürfen am Computer gewichen. Vor den Bildschirmen der Hochleistungsrechner sitzen heute Designer, für den Betrieb braucht man Rechenzentren und die notwendige Software wird von ausgezeichneten Programmierern bereitgestellt.

Tarzan
In den Vordergrund treten nun ganz andere Berufe. Ich las, dass die Produzenten des Zeichentrickfilms Tarzan sich von einem Profi-Skateboarder inspirieren ließen, weil dieser für die fließenden Bewegungen Pate stehen konnte. Und dass das Projekt von einem Anatomie-Professor begleitet wurde.

Walt Disney stand schon immer für einen bemerkenswerten Einfallsreichtum. Den er sogar auf seine eigene Kreativität anwendete, legendär die auf ihn zurückgehende Kreativitätstechnik mit den verschiedenen Hüten. Manchmal wird ihm nachgesagt, dass er sich fortlaufend neu erfunden hat. Aber das stimmt nicht. Im Grunde ist er einem Weg gefolgt, der zwar nicht immer gerade oder eben war, aber stets voran führte.

Was jedenfalls stimmt, ist, dass er nie gerastet hat und immer bessere Zeichentrickfilme immer besser produziert hat. Und dabei fortwährend mit der Zeit gegangen ist. Neben seiner bereits erwähnten Kreativität eine weitere zentral wichtige Eigenschaft, die Walt Disney zu der Ausnahmeerscheinung gemacht hat, die er war.

Ein klein wenig können wir uns natürlich davon abschauen. Nie müde zu werden, auch mal abwegige Ideen zu verfolgen, auf den ersten Blick unnütze Ansätze zu verfolgen. Und Vorbilder und Berater aus ganz anderen Disziplinen zu bemühen. Wer weiß, vielleicht kann sich eine Versicherung auch Tipps von einem Unfallarzt holen oder ein Krankenhaus von McDonalds lernen.