Mich faszinieren Begriffe, die irgendwann in der öffentlichen Wahrnehmung und Kommunikation auftauchen, eine Weile als Schlagzeilen, in Foren, Vorträgen und Politiker-Statements zu finden sind, und dann wieder rückstandslos verschwinden.
Nachhaltigkeit ist so ein Thema. Wenn man darunter Rücksicht auf die Umwelt versteht, dann war ich als Kind viel nachhaltiger als es heute Mode ist. Alte Radios wurden nicht weggeworfen, sondern repariert, hilfsweise ausgeschlachtet und zu kleinen Verstärkern umgebaut.
Geschäfte waren persönliche Vorgänge, Kunden wurden nicht verbraucht, sondern aufgenommen und über die Zeit betreut, das Verhältnis gepflegt und im wörtlichen Sinne nachgehalten. Es war vielleicht unangenehm, wenn der Mann hinter dem Schalter mich als Bub fragte, was ich denn mit dem vom Sparbuch abgehobenen Geld machen wollte, aber es war eben auch eine Form von Nachhaltigkeit.
Und heute sind wir in einer Phase der Nach-Nachhaltigkeit. Sei es, dass Kunden als nachwachsender Rohstoff missverstanden werden, sei es, dass Nachhaltigkeitssiegel wichtiger sind als die Verfolgung des Grundgedankens.
Nachhaltigkeit ist eng mit dem Zeitbegriff verknüpft. Sie bindet unser aktuelles Verhalten als Fortentwicklung der Vergangenheit mit einer Zielsetzung für die Zukunft. Wenn wir also von Nachhaltigkeit sprechen, dann betrachten wir die Vergangenheit bis zur Gegenwart und steuern so, dass die gewünschte Zukunft entsteht.
Ähnlich einem Spiegel im Spiegel sollte damit auch die Nachhaltigkeit nachhaltig sein. Dazu muss sie immer mal wieder auf den Prüfstand. Und außerdem ist sie langfristig zu verstehen, ein paar kurzfristig eingeleitete Maßnahmen oder punktuelle Kundenbindungsprogramme sind zwar lobenswert, aber sicher nicht als wirklich nachhaltig zu bezeichnen.
Wir brauchen Nachhaltigkeit, sie ist eine strategische Forderung auch bei Geschäftsmodellen mit eher kurzem Zeithorizont. Wer Kunden schneller verschleißt als er sie gewinnt oder mit Rohstoffen so verschwenderisch umgeht, dass die Wirtschaftlichkeit gefährdet ist, der läuft schon nach kurzer Zeit gegen die Wand.
Weg also von Nachhaltigkeit für die Galerie, rein in die Geschäftsprozesse, die Produkte, die Kundenbeziehungen, den Mitarbeiterumgang (Kultur) und so weiter. Nachhaltigkeit 2.0 umfasst alle Seiten des Unternehmens und wirft schnell auch messbare Deckungsbeiträge ab.
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