Mittwoch, 29. April 2026

Die blöden Eingeborenen

Als wir noch richtige Eroberungszüge gemacht haben, da sind wir auch immer mal mit schweren Holzkisten zu den Stämmen gezogen, haben diese Kisten geöffnet und den Eingeborenen die wunderbar glitzernden, aber total wertlosen Glasperlen gezeigt.

In ihrer großen Dummheit haben die Ureinwohner dann ihre Dorfältesten befragt, die mangels besseren Wissens diesen Tand als wunderschöne Geschenke der von weit hergereisten Gäste verstanden haben. Objektiv war der Kram für die Eroberer praktisch ohne Wert und wurde benutzt, um die Stämme zu betrügen. Und damit nicht genug, wurden sie hinter den Kulissen für ihre vermeintliche Blauäugigkeit auch noch verhöhnt.

Die blöden Eingeborenen
Ja, die schlauen Seeleute waren den Eingeborenen in jeder Hinsicht überlegen, konnten ihnen irgendwelche vermeintlichen Schätze vorlegen und ihnen unwahre Geschichten dazu erzählen. Ihren Informationsvorsprung konnten sie nutzen, um die anderen über den Tisch zu ziehen und sich Vorteile zu verschaffen.

Das ist ja heute ganz anders. Wir haben alle unser Internet, sind kluge und gebildete Menschen und lassen uns nicht so leicht einen Bären aufbinden. Oder doch?

Auch und gerade die Nutzung der zahlreichen Angebote an Künstlicher Intelligenz erinnert mich sehr an die Glasperlen, die die Eroberer seinerzeit den gutgläubigen Ureinwohnern vorgelegt haben. Da glitzert es im Internet, ist jedes Bild ein bestaunenswertes Kunstwerk. Sind die Texte von literarischem Tiefgang und die musikalischen Kompositionen besser als die Erzeugnisse der Komponisten.

Doch bei kritischer Betrachtung stellt man fest, dass wir minderwertige Glasprodukte erhalten haben, nicht zu vergleichen mit den Zuchtperlen einer seltenen Muschelsorte. Leicht verdaulich und auf den ersten Blick attraktiv kommen von den selbstbewussten Chatbots Ergebnisse, die mit den mühsam erarbeiteten Werken großer Künstler mithalten zu können scheinen.

Und da stellt sich die Frage, ob wir nicht selber die „blöden Eingeborenen“ sind, die die Qualität und den Wert völlig falsch einschätzen. Die gut gemachte Kombination von Versatzstücken schon für kreativ halten und ein mäßiges Plagiat nicht von einem Original unterscheiden können.

Dabei darf man ja durchaus die Leistungen einer KI nutzen, ihre Ergebnisse in der Produktion von Bildern, Texten oder anderem nutzen und zu schätzen wissen. So wie auch die Eingeborenen sich gerne mit den Glasperlen behängen dürfen und mit ihnen um das Lagerfeuer tanzen. Nur diesen Tand als hochwertige Dinge zu bewerten und einen entsprechenden Gegenwert anzubieten, das ist natürlich fehl am Platz.

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Mittwoch, 22. April 2026

Nur flexibel geht es weiter!

Der Automat trägt die Aufschrift „Drinks & More“, aber leider ist das „More“ alle. Ich schaue mir mal die Auswahl an, da gibt es beispielsweise Koffeingetränke nicht einfach nur als gewöhnlichen Kaffee, sondern auch als „Spezialität“ oder als „Getränk“. Mit den Suppen sieht es allerdings schlecht aus. Vermutlich, weil sie kein Koffein enthalten.

Nur flexibel geht es weiter!
Erste Erkenntnis: Da hilft keine Diskussion. Anders als bei einem Menschen kann man nicht nachfragen, betteln, um Ausnahmen nachsuchen. Was nicht weiterhilft: „Ach bitte, bitte, ich würde doch gerne eine Suppe haben, können Sie nicht noch mal schauen, ob noch was im Vorrat ist?“ Still steht der Automat und lässt sich nicht erweichen.

Zweite Erkenntnis: Aggression ist zwecklos. Gegen den Kasten zu treten, ihn zu schütteln, anzubrüllen, den Stecker zu ziehen – das führt nicht dazu, dass ich meine Suppe bekomme. Selbst die wildesten verbalen oder handgreiflichen Maßnahmen führen nicht zum Erfolg.

Dritte Erkenntnis: Gemeinschaft kann bestenfalls Trost spenden. Eine Demonstration mit Trillerpfeifen, das Skandieren von Parolen („Keine Ruhe, keine Rast – bis die Suppe wieder passt!“) die Mobilisation von großen Menschenmengen sind eine emotionale Stütze, aber Suppe gibt es deswegen nicht.

Vierte Erkenntnis: Kurzfristig ist nicht mit einer Verbesserung zu rechnen. Weder ist realistisch ein Nachfülldienst im Anmarsch, noch ist ein Notdienst erreichbar, der außerhalb normaler Arbeitszeit mit Blaulicht angefahren kommt, um die leeren Behälter aufzufüllen.

Fünfte Erkenntnis: Kein weiterer Automat weit und breit. Leider kann man nicht zu einem anderen laufen, denn im ganzen Gebäude ist nur diese eine Ausgabestelle für Automatensuppen. Und um die Uhrzeit ist auch keine Nicht-Automaten-Alternative verfügbar.

Sechste Erkenntnis: Ausweichen ist angesagt. Suppe fällt aus, mal schauen, was ansonsten in Frage kommt. Oder vielleicht doch woanders schauen. Soll es auf jeden Fall eine heiße Flüssigmahlzeit sein oder geht auch ein Müsliriegel aus dem Nachbarautomat? Muss es überhaupt etwas sein oder kann der Snack ausfallen?

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Wie im richtigen Leben, zum Beispiel am Arbeitsplatz. Nur, dass wir uns dort mit den ersten Erkenntnissen ausgesprochen schwertun. Anders als so einen Automaten kann ich meine Mitmenschen „bearbeiten“, also in irgendeiner Form emotionalen Druck aufbauen, zu überreden versuchen, vielleicht sogar handgreiflich werden.

Bleibt also als Lösung – hier wie da -, dass man flexibel bleibt. Wenn das Umfeld einfach nicht liefert, egal ob es nicht will oder nicht kann, dann müssen wir uns einen anderen Weg suchen. In den allermeisten Fällen geht das sogar, erfordert aber deutlich mehr Einfallsreichtum und Agilität als Jammern oder das Durchdrücken des eigenen Willens.

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Mittwoch, 15. April 2026

Richtig steuern – nur: wonach?

Im betriebswirtschaftlichen Umfeld scheint es ja ganz einfach. Wenn ich ein Unternehmen oder Einheiten davon steuern will, dann erhebe ich geeignete Kennzahlen, beobachte sie und ergreife Maßnahmen, wenn die Zahlen nicht meinen Erwartungen entsprechen.

Ganz prominent ist das auch bei Börsenkursen zu beobachten. Da äußern irgendwelche Kenner – sogenannte Analysten – ihre Prognosen, stellen den aus ihrer Sicht angemessenen Umsatz oder Gewinn als Zielmarke vor. Wird diese erreicht ist es gut, überschritten noch besser, aber bei Verfehlung drohen empfindliche Reaktionen mit zum Teil dramatischen Einbrüchen der Kurse.

Wie gesagt: Solange man Key Performance Indikatoren (KPI) definieren kann ist die Situation auf den ersten Blick einfach. Doch sobald man einen Controller fragt, wird das Ganze dann doch komplizierter. Da erfährt man von (verschiedenen) Deckungsbeiträgen, Fixkosten, Investitionen und Abschreibungen, Perspektiven und Strategien… kurz: Es gibt eben nicht die eine Kennzahl, nach der eine Organisationseinheit, eine Abteilung oder gar ein ganzes Unternehmen eindeutig gesteuert werden kann.

An einem ganz anderen Beispiel kann man das auch veranschaulichen. Betrachte ich den Benzinverbrauch meines Autos, dann gibt meine Analysesoftware zum Beispiel neben der
    Richtig steuern - nur wonach?
  1. Motorlast auch die 
  2. aktuelle Geschwindigkeit, den 
  3. Kraftstoffverbrauch pro Streck und die 
  4. Kraftstoffmenge pro Zeiteinheit aus. 
Wonach entscheide ich, wie ich das Gaspedal bediene? Soll ich die Motorlast gering halten und damit den Wirkungsgrad des Motors optimieren, die Geschwindigkeit im erlaubten Rahmen maximal ausschöpfen, um schnell an das Ziel zu kommen, einen möglichst geringen Wert für Sprit pro 100 km zu erreichen versuchen oder doch lieber nach dem Stundenverbrauch im Sinne niedriger Emissionen schauen?

Offensichtlich ist die Entscheidung für die Steuerungs-Kennzahl gar nicht so einfach und hängt unter anderem vom Ziel ab, das ich habe. Was übrigens auch wechseln kann, vielleicht habe ich es an einem Tag eilig und maximale Geschwindigkeit ist angesagt, an einem anderen Tag steht der Streckenverbrauch im Mittelpunkt.

Wie dem sei, ähnliche Situationen erlebt man eigentlich ständig. Ob man die Betriebswirtschaft bemüht, einen Blick auf die Technik wirft, oder auch Verhalten im sozialen Kontext betrachtet. In letzterem Fall könnte man sich auch Kennzahlen überlegen, vielleicht so etwas wie Beliebtheit, Durchsetzungsstärke, Aufwand-Effekt-Quote definieren und Entscheidungen danach treffen.

Fazit: Man kann, nein, man muss steuern. Im Grunde alles. Wie bewusst man dies tut, hängt vom eigenen Charakter und der Situation ab. Erfahrungsgemäß ist hier viel Potential für Steigerung der Effizienz, Einsparung von (innerer oder äußerer) Energie und – auch sehr wichtig – Schaffung von Transparenz gegenüber seinem Umfeld.

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Mittwoch, 8. April 2026

Der Trump des Alltags

Jahrelang haben wir in Management-Seminaren gesessen, Pyramiden gemalt mit einem Ziel an der Spitze, einer darunter liegenden Strategie und der operativen Umsetzung als Basis. Alles ganz durchdacht, schließlich muss das Management seine Daseinsberechtigung beweisen.

Der Trump des Alltags
Und jetzt kommt ein Mann auf die politische Bühne, kommuniziert ein ganz einfaches Ziel ("Make America great again") und schert sich weder um Strategie noch um Taktik. Schweißperlen auf der Stirn seiner Berater, anderer Politiker und Diplomaten scheinen keine Rolle zu spielen.

Kurswechsel stehen auf der Tagesordnung, mangels unterliegender Ausrichtung kann man aber auch nicht von Verfehlungen sprechen. Nur die Vorhersehbarkeit, eine Berechenbarkeit, braucht man in diesem Feld nicht zu erwarten.

Daneben ein Vorgehen, das wir in komplexen Umgebungen immer fordern. Nicht lange nach mehr oder weniger etablierten Lösungen suchen, die im aktuellen Kontext ohnehin nur bedingt funktionieren. Nicht die Experten fragen, die bestenfalls Antworten zu komplizierten, nicht aber zu komplexen Fragen kennen. Nicht versuchen, die Auswirkungen zu erfassen oder diese von sogenannten Zukunftsforschern einschätzen zu lassen, da diese mit höchster Wahrscheinlichkeit falsch liegen. Nein, einfach ausprobieren und wenn nötig auf das Ergebnis reagieren.

Der vielgescholtene Präsident macht also genau das, was die neuesten Management-Seminare empfehlen. Ein agiler Ansatz, der das klassische Verfahren ablöst. Das erzeugt Unsicherheit, führt aber an vielen Fronten auch zu einem ungewohnten Fortschritt, nachdem die bisher üblichen besonnenen und wohlüberlegten Schachzüge immer nur einen Trippelschritt (in die von Natur aus nur bedingt vorhersehbare Zukunft) gemacht haben.

Nüchtern betrachtet kann man für sein persönliches Leben, aber auch für Unternehmensführung daraus einiges lernen. Und sei es, dass man zwar die Augen nicht völlig schließen darf, gleichzeitig aber einen gewissen Experimentierwillen beibehalten muss. Einfach mal machen, solange man eine Position hat, die einen bei Fehltritten nicht sofort komplett aus dem Markt katapultiert.

Und ein bisschen Vorausdenken ist bei aller Agilität natürlich auch notwendig. Irgendeinen Vorgang, zum Beispiel einen Konflikt, vom Zaun zu brechen ohne Ziel und Perspektive, das ist auch bei einem proaktiven Antritt wenig angeraten. Es gilt also auch hier, dass eine Prise Trump manchmal durchaus gut tut, zu viel aber leicht zu einer versalzenen Suppe führt.

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