Mittwoch, 18. Februar 2026

Shadow-IT und Prostitution

Mein Chef runzelt die Stirn. Seine Miene lässt nichts Gutes vermuten, während er den Worten meines Kollegen über das Management von Minisoftware lauscht. Es geht um kleine Programme, die hier und da im Einsatz sind, obwohl sie nicht den regulären Registrierungsschritten unterworfen wurden. Typischerweise irgendwelche Angebote aus dem Internet, die mit einer Testlizenz laufen und ohne explizite Installation betrieben werden können.

Shadow-IT und Prostitution
Der Vortragende bezeichnet sie als „Shadow-IT“, also Datenverarbeitungsprogramme, die im Schatten laufen, außerhalb der Scheinwerfer des offiziellen Managements. Niemand fragt bei diesen Tools nach Datenschutz, Datenverbleib, Vertraulichkeit und IT-Security. Irgendwie klingt der Begriff nach Darknet, Pizza-essenden Verbrechern mit Hoodie und Cybercrime.

Wahrscheinlich hätte er sich besser über Drogen, Alkohol oder Sex in der Besenkammer geäußert als über seine Gedanken zu den ungesteuerten Prozessen und unkontrollierter Nutzung.

Dabei ist es doch im Grunde wie bei der Prostitution im Bahnhofsviertel Frankfurt. Es ist nun mal so, dass es dieses Gewerbe gibt und auch von zahlreichen (vorwiegend männlichen) Kunden in Anspruch genommen wird. Die Stadt hat durch verschiedene Maßnahmen eine Entkriminalisierung und Entstigmatisierung erreicht und damit dieses Thema ein Stück aus der Schmuddelecke herausgeführt.

Das Verbot von Prostitution hier oder dem Einsatz unerwünschter Software da ist kein zielführender Ansatz. Das führt nur zum Untertauchen und Verdrängung in einen Schwarzmarkt, der erst recht nicht mehr kontrollier- oder steuerbar ist. Und illegalen Praktiken die Tür öffnet.

Besser also Transparenz schaffen und Beratung anbieten. Einen neuen Weg anbieten, wie erotische Dienstleistungen legal und als definitiv vorhandene Elemente unserer Gesellschaft diskreten Raum finden. Und im Fall der IT weg von Wegschauen oder Verbot hin zu niedrigschwelliger Registrierung und einem Weg, der konstruktiv attraktiver ist als das Herumfummeln mit unsicheren oder nur eingeschränkt funktionsfähigen Testversionen.

Man kann sich am Begriff der „Shadow-IT“ stoßen so wie man auch die Häuser mit den rot beleuchteten Fenstern meiden kann. Aber das ändert nichts am Vorhandensein.

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Mittwoch, 11. Februar 2026

Zum Glück gibt es KI

Mal ehrlich: Seit wenigen Jahren ist sie allgegenwärtig, zunehmend sichtbar und in beeindruckend viele Alltagssituationen integriert. Künstliche Intelligenz bestimmt mittlerweile unser Leben, hält überall Einzug und ist weder wegzudenken noch aufzuhalten. Die ängstlichen Zeitgenossen bangen mehr oder weniger heimlich um ihre Jobs, skeptisch schauen sie auf den vermeintlichen Big Brother oder stellen überhaupt die Arbeit der unfassbaren Assistenten in Frage.

Zum Glück gibt es KI

Die Begeisterten hingegen befragen zu jeder Lebenslage den virtuellen Partner, lassen sich Formulierungen bis hin zu ganzen Abhandlungen erstellen und scheinen nur auf die geduldigen Handlanger gewartet zu haben. Es gibt fast nichts, was man nicht delegieren kann, was Chatbots nicht besser können und was man nicht diskussionslos von seinem eigenen Schreibtisch wischen kann.

Ja, ChatGPT und Kollegen übernehmen die Routinetätigkeiten, die immer einen Teil der Arbeitszeit in Anspruch genommen haben. Endlich ist Zeit für die wirklich wertschöpfende Arbeit, für Kreativität, hochwertige Gedanken. Weg mit dem lästigen Ballast, der bislang das Leben dominiert hat. Bahn frei für das Ausprobieren neuer Wege, Techniken, Produkte. Gespräche mit Kollegen, menschliche Arbeit, die Computer nicht erledigen können.

Und an dieser Stelle kommen mir langsam Zweifel. Fangen wir mal damit an, dass zwischen all den individuellen und intellektuell anspruchsvollen Arbeiten eine Routinearbeit auch mal entspannend sein kann. Ich kenne mich mit Thema xy aus, trage irgendwelche Daten hier und dort ein, rufe mir bekannte Programme in einer mir gewohnten Reihenfolge auf und kann dabei sozusagen während der Arbeit ein wenig entspannen. Danach noch ein Kaffee und ich bin wieder bereit für die nächste anspruchsvolle Tätigkeit. Diese Entspannungsphase entfällt jetzt, denn diese Arbeit hat mir mein Bot ja abgenommen.

Zweitens ist ja nicht jeder Mitarbeiter ein kreativer Mensch, der mit seiner Arbeitskraft bei Wegfall sämtlicher Standardaufgaben etwas anfangen kann. Wenn man diese Kolleginnen und Kollegen auffordert, etwas Schönes mit ihrer Zeit zu tun, sind sie hilflos und bitten um Instruktion, was sie machen sollen. Vielleicht unbewusst sind sie gar nicht daran interessiert, ihr Arbeitsfeld selbst gestalten zu können oder sind zumindest zunächst mit dieser für sie ungewohnten Form der Selbstführung überfordert.

Drittens gibt es Menschen, die ihre Routine ausgesprochen lieben. Von unserer Grundstruktur sind wir nun mal so angelegt, dass wir "Gewohnheitstiere" sind. Dauernd Neues zu erleben ist zwar spannend, aber auch anstrengend. Wenn erst mal die Abläufe verinnerlicht sind fühlen wir uns sicher, können die Arbeit nebenher erledigen. So wie wir beim Autofahren nicht mehr bewusst an das Betätigen der Kupplung und Drehen des Lenkrades denken müssen.

Der Segen der aktuellen Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz wirkt also gar nicht so glückstreibend, wie wir es gerne von manchen Mitmenschen dargestellt bekommen. Selbst die vorgeblich so lästigen Standardaufgaben kann man offensichtlich ein klein bisschen liebhaben und dann eifersüchtig auf den Bot schauen, der sie einem abzunehmen droht.

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Dienstag, 3. Februar 2026

Woher weißt du das eigentlich?

Manchmal werde ich bei irgendeinem Thema gefragt, woher ich das eigentlich weiß. Mal zielt die Frage dahin, dass der Wahrheitsgehalt in Frage gestellt wird, ein andermal drückt sie die Verwunderung aus, dass ich von irgendeinem Randthema Informationen beisteuern kann. Jedenfalls reicht es aber nicht, etwas zu wissen, ich muss auch noch die Quelle benennen können.

In der Praxis passiert mir das eher selten, ich weiß es halt, warum auch immer, woher auch immer. Dabei ist es doch gar nicht unbedingt nebensächlich. Stehen qualifizierte Studien dahinter, ist der Ursprung verlässlich, sind die Daten aktuell, gibt es relevante Gegendarstellungen oder sind mir kontroverse Diskussionen bekannt?

Woher weißt du das eigentlich
Aber die Frage nach der Wissensherkuft ist oft in öffentlichen Diskussionen zu erleben, populär und geradezu penetrant in der Debatte rund um Künstliche Intelligenz und ChatGPT. Jeder Influencer kann den größten Unsinn in die Welt posaunen, jedes Schmierenblatt irgendwelche Fakenews verbreiten, jeder Vertriebsmitarbeiter das Blaue vom Himmel lügen - das wird erst mal geschluckt, wenn es nur geschmeidig genug daherkommt.

Doch sobald ein Politiker etwas von sich gibt wird es enger, wenn ich es als Privatmensch publiziere wächst die Skepsis und wenn es die Antwort von ChatGPT kommt, dann heißt die Devise "glaub erst mal kein Wort, lass dir alle Quellen nennen".

Klar, allzu naiv darf man nicht mit den Aussagen umgehen, unabhängig von der Quelle sollte man alle Statements zumindest einer Plausibilitätsprüfung unterziehen. Und je nach Kritikalität weiter nachhaken. Aber grundsätzlich und alles zu hinterfragen ist eher ein Zeichen von pathologischem Misstrauen und der Einstieg in fortwährende Alltagsprobleme. Oder würde man seinen Partner auch bei jedem noch so harmlosen Gespräch nach den Wissensquellen fragen?

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