Mein Chef runzelt die Stirn. Seine Miene lässt nichts Gutes vermuten, während er den Worten meines Kollegen über das Management von Minisoftware lauscht. Es geht um kleine Programme, die hier und da im Einsatz sind, obwohl sie nicht den regulären Registrierungsschritten unterworfen wurden. Typischerweise irgendwelche Angebote aus dem Internet, die mit einer Testlizenz laufen und ohne explizite Installation betrieben werden können.
Der Vortragende bezeichnet sie als „Shadow-IT“, also Datenverarbeitungsprogramme, die im Schatten laufen, außerhalb der Scheinwerfer des offiziellen Managements. Niemand fragt bei diesen Tools nach Datenschutz, Datenverbleib, Vertraulichkeit und IT-Security. Irgendwie klingt der Begriff nach Darknet, Pizza-essenden Verbrechern mit Hoodie und Cybercrime.
Wahrscheinlich hätte er sich besser über Drogen, Alkohol oder Sex in der Besenkammer geäußert als über seine Gedanken zu den ungesteuerten Prozessen und unkontrollierter Nutzung.
Dabei ist es doch im Grunde wie bei der Prostitution im Bahnhofsviertel Frankfurt. Es ist nun mal so, dass es dieses Gewerbe gibt und auch von zahlreichen (vorwiegend männlichen) Kunden in Anspruch genommen wird. Die Stadt hat durch verschiedene Maßnahmen eine Entkriminalisierung und Entstigmatisierung erreicht und damit dieses Thema ein Stück aus der Schmuddelecke herausgeführt.
Das Verbot von Prostitution hier oder dem Einsatz unerwünschter Software da ist kein zielführender Ansatz. Das führt nur zum Untertauchen und Verdrängung in einen Schwarzmarkt, der erst recht nicht mehr kontrollier- oder steuerbar ist. Und illegalen Praktiken die Tür öffnet.
Besser also Transparenz schaffen und Beratung anbieten. Einen neuen Weg anbieten, wie erotische Dienstleistungen legal und als definitiv vorhandene Elemente unserer Gesellschaft diskreten Raum finden. Und im Fall der IT weg von Wegschauen oder Verbot hin zu niedrigschwelliger Registrierung und einem Weg, der konstruktiv attraktiver ist als das Herumfummeln mit unsicheren oder nur eingeschränkt funktionsfähigen Testversionen.
Man kann sich am Begriff der „Shadow-IT“ stoßen so wie man auch die Häuser mit den rot beleuchteten Fenstern meiden kann. Aber das ändert nichts am Vorhandensein.
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