Endlich kommen wir dem Punkt näher, den wir uns immer erträumt haben. Wir sprechen mit Maschinen, die unsere Befehle befolgen, mitdenken, kleine Arbeiten für uns erledigen. Kurz gesagt: Computer werden uns ähnlicher, immer menschlicher.
Das wollten wir doch immer. Aber menschlicher heißt eben auch, dass die Technik auch fragwürdige, um nicht zu sagen negative Eigenschaften von Menschen übernimmt. Zum Beispiel, dass sie halluziniert. Der Chatbot denkt sich einfach Antworten aus, die nicht auf der Basis von Fakten beruhen. Er schaut an irgendwelchen Stellen im Internet, wo zwar Informationen zu finden sind, aber es sind leider nicht die aktuellen oder nicht die richtigen.
Also wird auch der Gedanke, dies oder das sei doch „menschlich“ in die Technik übertragen. Was auf der einen Seite gewollt und sympathisch ist, ja sogar durch Parametrisierung eingestellt wird. Da gibt es Regler für so etwas wie das Temperament, und in manchem technischen Zusammenhang (zum Beispiel bei Drum-Computern) sogar einen Humanizer, der gezielt Fehler einbaut, damit es nicht zu glatt und perfekt wirkt.
Doch was an der einen Stelle gewollt ist, ist an der anderen Stelle unerwünscht. Frage ich den Chatbot nach seiner Einschätzung einer ärztlichen Diagnose möchte ich keine Phantasieantwort erhalten. Nachrichten und Zusammenfassungen sollen möglichst neutral ohne irgendeine Färbung oder gar politische Ausrichtung präsentiert werden.
Anders als klassische Berechnungen lebt Künstliche Intelligenz von einer gewissen Unschärfe. Die Antwort ist offener, dadurch im Wortsinne intelligenter, gleichzeitig aber auch weniger deterministisch. Eine Frage wird heute eventuell anders beantwortet als morgen. Dazu kommt, dass im Hintergrund auch am Gehirn der Künstlichen Intelligenz gearbeitet wird. Updates, Weiterentwicklung der Large Language Modells und komplexe Kreuz- und Querauswirkungen hebeln jede Form der Wiederholbarkeit aus.
Wie bei einem menschlichen Partner erlebe ich immer mal einen Morgen, an dem mein Computer nach schlechtem Schlaf übellaunig aufwacht. Die nächtlichen Updates sind ihm nicht gut bekommen, irgendeines seiner Programme reagiert nicht mehr wie gewohnt. Ob ein erneutes Wecken (Restart), eine Therapiesitzung (Diagnose / Helpdesk) oder eine neue Installation betroffener Software notwendig ist, ist im Einzelfall unterschiedlich.
Wie bei lebhaften und extrovertierten Zeitgenossen weiß ich ihre Begeisterung für Austausch sehr zu schätzen. Langweilig wird es nie, sie sind neugierig, redselig und plappern hinter meinem Rücken mit Gott und der Internet-Welt. Leider nicht nur mit gutmeinenden Partnern. Mal werden sie überredet, vertrauliche Informationen auszuplaudern, mal fangen sie sich in ihrer Blauäugigkeit einen Krankheitserreger (Virus) ein.
Unbeaufsichtigt lassen darf man sie jedenfalls nicht. Wie heranwachsende Kinder muss man aufpassen, dass sie nicht auf die schiefe Bahn geraten. Und durch die fortlaufenden Updates verändern sie sich auch ständig. Zunehmend geschätzt als Gesprächspartner, als Berater, als Unterhalter sind sie aber auch Teil meines privaten Lebens, ja geradezu Teil meiner Familie.
Wie das Eingangs-Statement beschreibt. Der Begriff des Personal Computers bekommt einen neuen Sinn, indem er von einem technischen Begleiter zu einem persönlichen Butler wird. Teil des Umfeldes, Teil der Gesellschaft, die er als neue Komponente neben den Lebewesen ergänzt.
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