Als wir noch richtige Eroberungszüge gemacht haben, da sind wir auch immer mal mit schweren Holzkisten zu den Stämmen gezogen, haben diese Kisten geöffnet und den Eingeborenen die wunderbar glitzernden, aber total wertlosen Glasperlen gezeigt.
In ihrer großen Dummheit haben die Ureinwohner dann ihre Dorfältesten befragt, die mangels besseren Wissens diesen Tand als wunderschöne Geschenke der von weit hergereisten Gäste verstanden haben. Objektiv war der Kram für die Eroberer praktisch ohne Wert und wurde benutzt, um die Stämme zu betrügen. Und damit nicht genug, wurden sie hinter den Kulissen für ihre vermeintliche Blauäugigkeit auch noch verhöhnt.
Ja, die schlauen Seeleute waren den Eingeborenen in jeder Hinsicht überlegen, konnten ihnen irgendwelche vermeintlichen Schätze vorlegen und ihnen unwahre Geschichten dazu erzählen. Ihren Informationsvorsprung konnten sie nutzen, um die anderen über den Tisch zu ziehen und sich Vorteile zu verschaffen.
Das ist ja heute ganz anders. Wir haben alle unser Internet, sind kluge und gebildete Menschen und lassen uns nicht so leicht einen Bären aufbinden. Oder doch?
Auch und gerade die Nutzung der zahlreichen Angebote an Künstlicher Intelligenz erinnert mich sehr an die Glasperlen, die die Eroberer seinerzeit den gutgläubigen Ureinwohnern vorgelegt haben. Da glitzert es im Internet, ist jedes Bild ein bestaunenswertes Kunstwerk. Sind die Texte von literarischem Tiefgang und die musikalischen Kompositionen besser als die Erzeugnisse der Komponisten.
Doch bei kritischer Betrachtung stellt man fest, dass wir minderwertige Glasprodukte erhalten haben, nicht zu vergleichen mit den Zuchtperlen einer seltenen Muschelsorte. Leicht verdaulich und auf den ersten Blick attraktiv kommen von den selbstbewussten Chatbots Ergebnisse, die mit den mühsam erarbeiteten Werken großer Künstler mithalten zu können scheinen.
Und da stellt sich die Frage, ob wir nicht selber die „blöden Eingeborenen“ sind, die die Qualität und den Wert völlig falsch einschätzen. Die gut gemachte Kombination von Versatzstücken schon für kreativ halten und ein mäßiges Plagiat nicht von einem Original unterscheiden können.
Dabei darf man ja durchaus die Leistungen einer KI nutzen, ihre Ergebnisse in der Produktion von Bildern, Texten oder anderem nutzen und zu schätzen wissen. So wie auch die Eingeborenen sich gerne mit den Glasperlen behängen dürfen und mit ihnen um das Lagerfeuer tanzen. Nur diesen Tand als hochwertige Dinge zu bewerten und einen entsprechenden Gegenwert anzubieten, das ist natürlich fehl am Platz.
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