Donnerstag, 6. August 2026

It's business, my friend

Vor einigen Wochen war ich bei einem Vortrag, in dem es unter anderem um unser Verhältnis zu Amerika ging, das transatlantische Bündnis und die langjährige gute Zusammenarbeit. Ja, sogar das Wort Freundschaft fiel in diesem Zusammenhang und die tollen Ergebnisse, die beide Seiten im Laufe der Jahrzehnte erzielt hatten. Die legendäre Luftbrücke wurde angesprochen, auch die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit, von Kooperationen und militärischen Operationen ganz zu schweigen.

Doch dann kam die Sprache auf die aktuelle Administration, auf die Regierung unter Donald Trump und den Abbau dieses altgewohnten Teamplays. Unter dem zentralen Motto "make amerika great again" beginnt Politik mit einem Blick in den Spiegel, nach oben erhoben, um das auf dem Boden stehend Porzellan nicht sehen zu müssen. Dem großen Ziel werden Beziehungen untergeordnet, alle Verknüpfungen auf den Prüfstand gestellt. Und insbesondere wird das Wort 'Freundschaft' durch das Wort 'Business' ersetzt. Heute Schulterklopfen, morgen Rausschmiss, so wie wir es schon oft in den amerikanischen Spielfilmen gesehen haben.

It's business my friend

Das ist für Europäer, insbesondere vielleicht sogar Deutsche, schwer zu verstehen. Wir gehen von einem anderen Verständnis einer Beziehung aus, rücken Tugenden wie Unvergänglichkeit, zumindest aber Nachhaltigkeit, in den Mittelpunkt. Das kollidiert natürlich mit einer rein geschäftlich basierten Zusammenarbeit, die so etwas wie Kursschwankungen kennt und sich auch schon mal ändern kann. Den Wunsch nach Planbarkeit muss man damit zurückstellen oder zumindest ganz anders umsetzen. Volatilität ist Teil des Zusammenspiels, nicht nur eine exotische Panne.

Und diese Mentalität kriecht dann nicht nur in die höchsten politischen Ebenen, sie findet sich auch in Unternehmensführungen, im sozialen Umfeld oder in Partnerschaften wieder. Ob das Modell eines lebenslangen Arbeitsverhältnisses bei ein und derselben Firma heute noch zeitgemäß ist, sei dahingestellt. Dass ein erzwungenes Hin- und Her in Deutschland noch nicht en vogue ist, ist aber auch unübersehbar. Denn es ist ja nicht nur der Wechsel des Unternehmens und vielleicht einiger Aufgaben, auch das gesamte Umfeld, Netzwerke, Abläufe sind neu. Und noch viel schlimmer wird durch einen erzwungenen Wechsel auch das Selbstwertgefühl angekratzt.

Wer sich für seine Aufgabe engagieren soll, die von Managern gewünschten leuchtenden Augen bekommen soll, der muss dafür motiviert sein. Das kann für eine gewisse Zeit ein äußerer Impuls sein, Geld oder schicker Dienstwagen vielleicht, aber irgendwann muss dann die intrinsische Motivation greifen. An der Stelle wird es emotional und wer hier mit Rationalität antwortet, der bringt das vormals vorhandene Engagement schnell zum Erliegen. Den Mitarbeitern klar zu machen, dass das Arbeitsverhältnis eine reine Geschäftsbeziehung ist, der einzelne Mitarbeiter eine austauschbare 'human ressource' darstellt, ist für freiwillige Zusatzarbeit von Leistungsträgern fatal.

Schachzüge in dieser Richtung stellen eben auch das bisherige Verhalten der Führung in Frage. Wo ist denn die Wertschätzung, wenn es auf einmal nicht mehr auf individuelle Qualitäten oder besondere Leistungen ankommt? Retrospektiv werden dann auch in der Vergangenheit liegende positive Erfahrungen in Frage gestellt, Neubewertungen stehen ins Haus, das Vertrauen bröckelt. "It's business, my friend" kombiniert mit einem freundlichen Händedruck, mit dem man auch gleich die Klappbox für die persönlichen Wertsachen übergibt, kann gerne Schule machen. Nur bitte nicht in Deutschland.

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