Mittwoch, 27. Mai 2026

Predictive Maintenance: Menschen und Autos

Wer auf Nummer sicher gehen will und es sich leisten kann, der fährt sein Auto regelmäßig zur Inspektion. Da werden die Flüssigkeiten kontrolliert, Riemen ausgetauscht, Filter ersetzt. Manches dabei nach Begutachtung, anderes nach vorgegebenen Serviceintervallen. Der Zahnriemen ist alle hunderttausend Kilometer dran, egal wie gut er noch aussieht - wer hier pennt wird teuer bestraft.

Doch ist das wirklich so? Wie steuern wir denn die Wartung bei unserem menschlichen Körper? Da wird auch nicht die weibliche Brust entfernt, nur weil man ab Mitte 50 mit einem erhöhten Krebsrisiko rechnen muss. Oder Hüftgelenke in vorauseilendem Servicegedanken durch künstliche Bauteile ersetzt, um der anstehenden Arthrose zuvor zu kommen. Da geht den Eingriffen oder medikamentösen Maßnahmen eine Diagnose voraus, in die konkrete Messwerte des Körpers, Risikoabschätzungen und Statistiken eingehen.

Für heutige Technik - Stichwort Künstliche Intelligenz - ein Kinderspiel. Die Auswahl der notwendigen Informationen, Sensoren, Auswertung von Erfahrungswerten und Statistiken sind die Basis von sinnvollen Einschätzungen der Notwendigkeit von Wartungsmaßnahmen. Starre Vorgaben sollten der Vergangenheit angehören, das gilt für unsere Autos genauso wie für die Check-up-Untersuchungen beim Onkel Doktor.

Predictive Maintenance: Menschen und Autos
Nicht wahr, beim Automobil gibt es jährlich einen TÜV-Report. Da gehen Daten aller untersuchten Autos ein und sorgen so für ein recht klares Bild, an welcher Stelle bei welchem Modell besonderes Augenmerk gefordert ist. In Kombination mit den vorhandenen Sensoren und Fehlerprotokollen der Bordcomputer eine solide Grundlage für individuelle Wartungsmaßnahmen.

Ähnlich braucht man nicht für alle Menschen die gleichen Vorsorgeuntersuchungen, erst recht nicht zu gleichen Zeitabständen. Bisherige Untersuchungen, familiäre Vorgeschichte, Statistiken und einige wenige aussagekräftige Messungen geben ein gutes Bild. Und Künstliche Intelligenz kann die hieraus abzuleitenden Schlüsse von der Erfahrung oder Fachkompetenz entkoppeln, dem Arzt mit tiefem Detailwissen auf dem neuesten Stand der Erkenntnis zur Seite stehen.

Der Haken bei der Sache: Es gibt nicht wenige Interessengruppen, die gar nicht begeistert von dieser Entwicklung sind und mit den einfallsreichsten Argumenten gegenhalten. Da wird Angst geschürt, weil man sein Leben angeblich unkontrollierbar in die Hände von Technik legt. Weil Empfehlungen gegeben werden, die auf den ersten Blick überraschend sind und deren Grundlage man sich erst erarbeiten muss.

Und welche Werkstatt möchte schon Kunden, die erst den Zahnriemen wechseln lassen, wenn er wirklich in diesem Fahrzeug, bei dieser Fahrbelastung und diesem Fahrstil auf die Verschleißgrenze zugeht.

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