Mittwoch, 15. Juli 2026

Alles dreht sich um Software

"Daten sind das neue Gold", erzählen die Berater und pfeifen damit im dunklen Wald, denn Daten zu bearbeiten, verteilen, organisieren ist ein Geschäft, das ihnen wohlbekannt ist. Da kann man im Laufe der Jahre ständig neue Ansätze entwickeln, Modelle einführen, Computerprogramme installieren und damit bei Entscheidungsträgern leuchtende Augen hervorrufen. Daten sind was Feines, sind sie beim Kunden vorhanden kann man mit ihnen irgendwas Nützliches machen, hat er sie nicht kann man für den Aufbau einer Datenübersicht sorgen.

Alles dreht sich um Software

Ganz anders ist das mit Software. Diese mehr oder weniger aufwändigen Computerprogramme haben sich längst verselbstständigt. Heute interessiert es nur noch am Rande, in welcher Sprache ein Tool geschrieben ist, selbst Integrierbarkeit oder Lauffähigkeit in sogenannten Containern werden immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Und im Grunde unbemerkt werden die ehemals deterministischen Algorithmen immer klüger, selbst wenn sie nicht explizit als KI deklariert werden.

Der Slogan müsste also "Software ist die neue Basis" heißen. Produkte, die ihre Qualität früher im Wesentlichen aus ihrer Hardware schöpften, werden mit Software ergänzt. Erst wird die eingebettete Software zu einem wichtigen Kaufkriterium, schließlich übernimmt sie die Führung und die Hardware ist nur noch der nun einmal notwendige Körper um die Bits und Bytes. Wir beobachten diesen Trend beispielsweise bei Automobilen. Ein VW Käfer bestand vorwiegend aus Metall und ein paar Drähten, die die Lampen mit Strom versorgten. Sein Enkel (der New Beetle) ist bereits mit über hundert Sensoren ausgestattet, die in mehreren Bordcomputern ausgewertet werden und Motorzustand sowie Fahrparameter steuern. Und bei Autos von Tesla ist es kein Geheimnis, dass wir es mit einem rollenden Rechenzentrum zu tun haben.

Ähnliches gilt für Fotokameras, bei denen die Präzision der Optik immer unwichtiger wird, weil die Software hinter dem Chip geräteindividuell die Abbildungsfehler herausrechnet. Züchtung von immer lichtempfindlicheren Chips ist unsinnig, weil auch hier schlaue Algorithmen Verwacklungen verfolgen und entfernen können. Der Body ist nur noch die Hülle für die Montage des Objektivs, einen Bildschirm und Bedienelemente. Viele Smartphones machen das nebenher.

Doch auch vor vermeintlich konservativen Branchen macht dieser Trend nicht Halt. Jüngst verkündete Jamie Dimon, der CEO der Großbank J. P. Morgan, dass sie zukünftig weniger Banker und mehr KI- und Technologieexperten einstellen wollen. Ein Wechsel der gesuchten Personalprofile, Tendenz also auch hier, Fachlichkeit durch Software und KI zu ersetzen. Und so wenig wie wir im täglichen Leben (und ohne nostalgische Gefühle) einen VW Käfer fahren wollen, so wenig werden wir auf Dauer ohne die allseits vorrückende Software zufrieden sein. Ein erfahrener Bankberater ist toll, aber wenn ich bessere Ratschläge von ChatGPT bekomme, ist er überflüssig.

Der Zug rollt, nicht nur die fortschreitende Technisierung, auch deren Vernetzung sind in Bewegung geraten und nicht aufzuhalten. Immer selbstverständlicher und für den Anwender unbemerkt tauschen Computer untereinander ihre Daten aus, bestellen ohne menschliche Intervention Ersatzteile oder steuern Produktionsstraßen. Längst reicht es nicht mehr, wenn eine Maschine Löcher stanzt, sie muss auch "teamfähig" mit den zugelieferten und weitergereichten Werkstücken umgehen können sowie auf Befehl der zentralen Orchestrierung ihre Arbeit anpassen.

Maschinen und deren Steuerung werden menschlicher, und dafür brauchen sie eben Software, zusätzlich zu den Motoren, Lagern und Werkzeugen. Ohne es zu merken ist auch hier eine Welle der Stilllegung im Gange, der Ersatz etablierter Technik durch eine neue Generation "smarter" Hardware. Nicht nur Mitarbeiter müssen umgeschult oder gar durch Menschen mit anderen Kompetenzen ersetzt werden, auch Geräte sind von immer kürzeren Verwendungszyklen betroffen.

Anmerkung: In diesem Zusammenhang mag man sich fragen, wie dieser hohe Veränderungsdruck und die Notwendigkeit der Flexibilität und regelmäßigen Umschulung zur Erhöhung des Rentenalters passt.

Halten wir fest, dass eine Werteverschiebung stattfindet, weg von Hardware hin zu Software. Und damit natürlich auch eine Verschiebung der Schwerpunkte der jeweiligen Produktion (Maschinenbau versus Software-Entwicklung), was wiederum zu Umdenken auf allen Unternehmensebenen von der operativen Ebene bis zum Vorstand und vom Einkauf bis zum Vertrieb führt.

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