Die typische deutsche Baustelle. Insbesondere zu beobachten auf Autobahnen. Im Vorfeld bekommt man es in der Presse mit, vielleicht ist es auch kurz in den Nachrichten. Demnächst - zum Ende des Jahres - wird irgendwas an der Fahrbahn gemacht. Dann passiert erst mal nichts. Oder doch, denn ein beladener Transporter rückt an und stellt erste Schilder auf. Eine Woche Pause, es folgt ein ganzer Laster, der die demnächst zu bearbeitende Spur absperrt.
Pause. Einige Wochen passiert nichts, dann kommt ein PKW, begutachtet die Absperrung, verschwindet wieder, hat vermutlich ein Reinigungskommando bestellt, denn nur wenige Tage später wird mit einer Kehrmaschine die langsam verstaubende Fahrbahn gefegt. Und dann endlich kommt ein Bautrupp, verteilt über die Kilometer irgendwelche Baugeräte, Werkzeuge, stellt ein Dixie-Häuschen auf. Dann kehrt wieder Ruhe ein, die Handwerker werden wohl auf einer anderen Baustelle gebraucht.
Ein Bagger trifft ein, das ist zwar angesichts der langen Baustelle ein wenig unterbesetzt, aber zumindest ein Anfang. Allerdings steht er erst mal nur da, gebaggert wird nicht. Der Zustand hält ein paar Wochen, insgesamt ist die Baustelle schon einige Monate alt, die nicht gemähten Randstreifen verlottern langsam. Ein zweiter Bagger trifft ein, sogar ein dritter. Und Baggerführer, Laster für den Abtransport der jetzt allmählich entfernten Oberdecke.
Wie es scheint ist dieser Arbeitsschritt nun erledigt, denn die Bagger werden wieder abgezogen, die Absperrung bleibt, ansonsten wird es wieder leer auf der Baustelle. Etwa einen Monat später kommen andere Bagger. Sie machen sich an der Seite zu schaffen, wie man im Laufe der nächsten Wochen beobachten kann, sind sie wohl für die Entwässerung zuständig, erstellen Gräben, heben altes Rohrwerk aus und warten wie gewohnt auf die Lieferung der neuen Rohre.
Die Zeit geht ins Land, die alten Rohre sind entfernt, Abläufe sind eingemessen und auf die neue Verrohrung montiert, die Unterdecke hat über den Winter stark gelitten. Ein Gutachterteam war da und hat festgestellt, dass sie unter diesen Umständen ebenfalls ausgetauscht werden muss. Es kommt zu Verzögerungen im weiteren Verlauf, aber am Ende kommt die erste Firma mit ihren drei Baggern wieder angerückt und baut die Unterdecke aus.
So geht es schrittchenweise voran, kurze Arbeitsphasen folgen auf lange Pausen, Wechsel der ausführenden Unternehmen, gelegentliche Instandhaltung der nicht betroffenen Fahrbahn. Nach einer Nettozeit von wenigen Monaten und einer Gesamtlaufzeit von knapp zwei Jahren können die Autos wieder über die bearbeitete Spur rollen. Im Radio wird das freudige Ereignis gebührend gefeiert und geht einen Tag lang durch die Lokalnachrichten.
Die Bürger fragen sich, warum das in Deutschland so schleppend läuft und schielen nach China. Zu Corona-Zeiten haben Bautrupps dort in wenigen Wochen ein ganzes Krankenhaus hingestellt. Vielleicht nicht für die Ewigkeit, aber auch nicht so improvisiert, dass es direkt wieder zusammengebrochen wäre. In Deutschland haben wir zu dieser Zeit länger gebraucht um vorhandene Turnhallen zu Impfzentren umzuwandeln.
Und jetzt das.
Im März tauchen nach kurzer Ankündigung Transporter an der Einmündung der L3273 auf die B275 auf, ändern mit Schildern die Verkehrsführung, installieren eine Ampel und machen den Weg frei für Bagger und LKW. Schlag auf Schlag ist der alte Belag weg, Erdreich entfernt, wird der abgesperrte Bereich etwas verschoben, die Ampel nachjustiert. Schon nach wenigen Tagen lässt sich erahnen, wo der neue Kreisverkehr entstehen wird, zügig und systematisch werden verschiedene Seiten der Baustelle vorangetrieben, Erdreich bewegt, Rohre verlegt. Jeden Tag sieht man auch als Laie einen Fortschritt, staunt über die dennoch aufgeräumte Fläche. Keine verträumten Bauarbeiter, kein herumfliegender Müll, stattdessen von Zeit zu Zeit kurze Visite der Bauaufsicht und weiter geht’s.
Es ist eine Freude zuzuschauen, fast macht es Spaß, wenn man kurz an der Baustellenampel warten muss, weil man wieder etwas Neues entdecken kann. Waren es gestern die Randsteine um das Rondell, ist es heute die Erdfüllung darin. Ich bin geradezu neugierig, was ich morgen sehe. Und das bei der freudigen Mitteilung, dass die Bauarbeiten im Plan liegen.
Es geht doch.
Mit guter Planung und vielleicht einem Quäntchen Glück ist eine Baustelle auch in Deutschland 2026 kein Hexenwerk. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, dass hier mal etwas so läuft, wie ich es früher normal gefunden hätte: Dieser Mensch hat einen Orden allein schon dafür verdient, dass er mir wieder Mut macht. Mut, dass wir vielleicht doch etwas schneller hinbekommen, als es zerfällt.
Oder liegt es am Ende daran, dass die ausführende Baufirma (Eiffage) aus Frankreich kommt?
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