Wir leben in einer spannenden Zeit, in der viel Bewegung zu erkennen ist. Technische Veränderungen ereilen uns nicht nur an einer Vielzahl von Fronten, auch die Anzahl der Veränderungen pro Zeiteinheit hat ein hohes Niveau erreicht. Und alle paar Jahre gibt es neben der ohnehin schon zügigen Evolution auch noch eruptive Entwicklungen wie die Verbreitung von Smartphones oder das Angebot von ChatGPT.
Diesen Entwicklungen stehen die einzelnen Menschen und als regionale Gesamtheit auch die Gesellschaft gegenüber. Ein Anpassen, Mitmachen, Mitdenken ist nicht nur wünschenswert, es ist unumgänglich. Egal ob Routenplanung, Buchung von Arztterminen oder der Aufruf von Speisekarten: Ohne modernes technisches Equipment wird es schwierig.
Das setzt sich in einem rasanten Wachstum der Anzahl installierter Apps fort, viele davon mit eigenen Passwörtern oder PIN-Codes, unterschiedlicher Bedienung und regelmäßigen Updates bezüglich Leistungsumfang und Oberfläche.
Doch das ist nur die technische Sicht der Dinge. Auch um uns herum hat die Geschwindigkeit zugenommen. Hausbau ist einerseits eine zunehmend teure Angelegenheit, andererseits aber auch eine langfristige Bindung, die von vielen jüngeren Menschen als lästig empfunden wird. Mietverträge sind flexibler. Analog gilt dies für Beschäftigungsverhältnisse, die von den Angestellten alle paar Jahre hinterfragt werden.
Partnerschaft: War die Verbindung eines Paares in der Mitte des letzten Jahrhunderts erst nach der formalen Hochzeit möglich, beobachten wir inzwischen den Trend zu Partnerschaften mit offener Laufzeit. Selbst wenn geheiratet wird, ist dies kein Garant für lebenslange Zweisamkeit, eine Scheidung stellt die verlorene Ungebundenheit wieder her.
Gemeinsame Kinder sind zwar ein Aspekt, der beachtet und berücksichtigt werden muss, aber das Modell der Patchwork-Familie etabliert sich und ersetzt in Kombination mit Angeboten für Alleinerziehende den festen Ansatz einer Vater-Mutter-Kind-Konstellation.
Politische Ansätze bestehen nicht mehr über Jahrzehnte; Selbst eine Legislaturperiode scheint für die Entwicklungen und Veränderungen noch zu lang zu sein. Parteiprogramme müssen angepasst, die Mitglieder informiert und eingebunden, die Ausrichtung ständig neu justiert werden.
Schließlich erleben auch der tägliche Umgang, soziale Kontakte und Interaktionen eine ganz neue Taktung. Vereine mit Tradition, mehr oder weniger starrer Struktur und Organisation verlieren ihre Mitglieder, die sich stattdessen in Communities und Internet-Plattformen austauschen. Zeitlich und räumlich flexibel, ohne Vertrag oder Fristen.
Typische Leidtragende dieser Beschleunigung sind zudem die Glaubensgemeinschaften. Scharenweise treten Menschen aus den Kirchen aus, ersetzen ihren Beratungsbedarf individuell durch Coaches, Therapeuten oder folgen Idolen in den Social Media. Die über Jahrhunderte konservierte Vorreiter-Rolle von Göttern, Heiligen und Propheten geht in eine temporäre Anhängerschaft bei Influencern über.
Zweierlei kann man dazu zusammenfassend feststellen. Zum einen, dass sich diese Veränderung nicht aufhalten lässt. Es ist sinn- und zwecklos, mit irgendwelchen Maßnahmen dagegenhalten zu wollen und den Status Quo zwangsweise beizubehalten. In Bewegung geratene Änderungen kann man nicht mehr stoppen oder gar zurückrollen.
Und zum anderen handelt es sich um Entwicklungen, mit denen einzelne Menschen wie auch die Gesellschaft insgesamt überfordert sind, was zu Spannungen und Konflikten führt, deren Ausmaße wir im Moment nur erahnen können. Um dies zu vermeiden müssen wir dieses Spannungsfeld erkennen und so weit verringern, dass die Geschwindigkeit wieder menschlich wird.
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