Werfen wir mal einen Blick in den Werkzeugkasten, mit dem ich die Rädchen, Getriebe und diversen Motoren in meinem Denkkasten repariere und warte. Da hängt an der Wand ein Haken mit einem Hobel an der Seite, darunter ein kleines Schild mit sauberer Schrift "Reframing". Auf den ersten Blick recht unscheinbar neben allen großen Werkzeugen, Zangen, Maschinen, Ersatzkabeln und einem kleinen Kran. Doch dieses Werkzeug hat es in sich, kann mit seinem Haken ein Bild aus seinem Rahmen entfernen und mit dem Hobel in einen neuen Rahmen einpassen. Und dann gibt es noch die flache Kante, die als Hammer fungiert und das Bild endgültig im neuen Rahmen fixieren hilft.
Neurahmung also, eine Option, etwas zu modernisieren, aufzuhübschen, anzupassen. Allerdings nur den Gesamteindruck, nicht das Bild an sich. Genau das ist das Besondere. Man muss kein neues Bild erwerben, es umarbeiten oder von einem Künstler verändern lassen, nein, die neue Wirkung erzielt man ausschließlich durch die Veränderung des Rahmens. Überschaubare Arbeit, die ich auch ohne fremde Hilfe ausführen kann.
Vor einigen Jahren hatte ich eine recht schmerzhafte Verletzung meiner Hüfte. Liegen oder sitzen konnte ich ganz gut, aber sobald ich mich bewegen wollte wurde ich sehr deutlich an die Verletzung erinnert. Wochen und Monate vergingen, bis sich die Entzündung zurückgezogen hatte und ich wieder uneingeschränkt laufen konnte. Und auf einmal bekam das Rasenmähen - bis dahin eine eher lästige Pflicht - eine ganz neue Qualität. Ich freute mich, dass ich draußen sein konnte, in der frischen Luft über den Rasen laufen konnte, dass mein Bein nicht weh tat und dabei: nun ja, vor mir war halt ein Rasenmäher.
Regelmäßig ärgere ich mich, weil ein Kollege seine Kaffeetasse nicht in die Spülmaschine einräumt. Dann kam Corona. Niemand war da, der eine Kaffeetasse brauchte oder sie gar ungespült in der Küche stehen ließ. Es war alles leer, kein Kontakt, kein Ärger, aber auch kein Gesprächspartner. Ich vermisste ihn, selbst das Wegspülen hätte ich gemacht, wenn ich dafür mit ihm ein kleines Schwätzchen hätte halten können.
In beiden Beispielen hat sich die Tätigkeit nicht verändert, ist also das Bild gleichgeblieben. Auch habe ich nicht meine Perspektive gewechselt, von einer anderen Position aus geschaut oder mich in etwas hineinversetzt. Aber ich habe die Szenen in einen anderen Kontext gestellt, sei es die Dankbarkeit für meine Gesundheit und die Freude darüber, dass ich (wieder) im Garten herumlaufen kann. Sei es die Anerkennung des Wertes, miteinander zu sprechen und die eher nebensächliche Störung in Form hinterlassener Tasse.
Gute Fragen in diesem Zusammenhang sind "was hängt noch damit zusammen?", "was würde mir fehlen?", "ist es nicht Teil der Lebendigkeit?". Und recht leicht lässt sich ein neuer Rahmen herstellen, der nicht nur ein neues, sondern durch meine freie Gestaltung ein besseres Gesamtergebnis erbringt. Es hängt damit zusammen, dass ich das Gute im Bild erkenne und dies durch die Rahmenform, seinen Stil und seine Farbe herausarbeite. Selbst eine verblassende Schwarzweiß-Fotografie kann so zu einem Blickfang werden.
*
Abonniere den Kanal "Eckhards Blog By Dr.-G." auf WhatsApp
[Weitere Blogs: Dienstliche Glossen, Feingeistiges]

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen