Mittwoch, 27. April 2022

Natürlich? Gut!

Ich bin ein Obstbaum
Ich bin ein Unternehmen aus der Finanzbranche

Ich habe eine maximale Wuchshöhe
Mein Markt ist grundsätzlich begrenzt

Durch Düngung kann ich mehr Ertrag bringen
Prozessoptimierung führt zu erhöhter Effizienz

Es gibt Wachstums- und Ruheperioden
Ich bin abhängig von Konjunkturzyklen

Einmal jährlich trage ich Früchte
Es gibt Ertrags- und Konsolidierungsphasen

Für gutes Wachstum brauche ich Licht
Konjunkturelle Hochphasen führen zu Expansion

Festen Halt habe ich nur mit guten Wurzeln
Unternehmenskultur sorgt für wirtschaftliche Stabilität

Regelmäßiger Formschnitt ist notwendig
Beschränkung auf Kernkompetenzen ist wichtig

Morsche Äste müssen entfernt werden
Geschäftszweige ohne Gewinn werden zurückgebaut

Schädlingsbefall kann mich stark belasten
Cyberangriffe und interner Betrug bedrohen mich

Ein Gärtner schaut regelmäßig nach mir
Die Bankenaufsicht kontrolliert mich

Mehrere von meiner Art schützen sich gegenseitig bei Unwetter
Rettungsschirme wirken im Verbund

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Mittwoch, 20. April 2022

Formel 1 für den Alltag

Wenn man sich in ein modernes Auto setzt, dann fällt einem gar nicht mehr auf, wie viele unverzichtbare Sicherheitskomponenten es enthält. Das beginnt mit seitlichen Versteifungen, geht weiter mit der Knautschzone und endet noch nicht mit der stabilen Fahrgastzelle. Manche Details kann man gar nicht wahrnehmen, weil sie hinter Verkleidungen versteckt sind oder sich nur in einer geschickten Konstruktion wiederfinden.
Bemerkenswert hieran, dass die Impulse stark vom automobilen Rennsport gesetzt werden. Was in der Formel 1 entwickelt wird und sich dort bewährt hat, kommt früher oder später auch in der Serienproduktion an.
Ähnlich ist es übrigens aus meiner Sicht mit ärztlicher Behandlung von Sportverletzungen. Auch in dieser Rubrik profitieren wir als normale Patienten von der Forschung im Spitzensport. Wenn ich sehe, wie manche Fußballer über den Rasen fliegen, deutlich verletzt vom Platz getragen werden und dann schon nach wenigen Wochen wieder munter beim Training mitmachen: Da lassen sich schon Ansätze für Therapievorgehen auf Kassenpatienten übertragen. 

Nun gibt es ja auch in manchen Unternehmen so eine Art Formel 1, das wird dann zum Beispiel Innovation Labs oder Think Tank genannt. Wie auch beim Rennsport gelten da andere Randbedingungen als in der Linienorganisation, zum Beispiel kann kein Programmierer in der Entwicklungseinheit ohne Rücksicht auf vorgegebene Standards arbeiten oder einfach mal so neue Tools ausprobieren.

Aber ein Teil der Erkenntnisse sollte in die Linie überführt werden. Was beschleunigt die Abläufe, was macht die Kunden zufriedener, was erleichtert dem Entwickler die Arbeit und so weiter. Auch wenn es nicht veränderungsfrei übernommen werden kann (oder sitzen Sie mit Hosenträgergurten im Auto?), kommen hier nicht nur Impulse für neue Programme und Produkte her, sondern eben auch wichtige Erkenntnisse bezüglich Abläufen, Prozessen, Tools, Frameworks und so weiter. Und genau diese freundliche Dreingabe dieser kleinen Forschungseinheiten bleibt oft ungenutzt, weil sich die Auswertung viel zu sehr auf den Produktteil fokussiert.

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Mittwoch, 13. April 2022

Unfälle sind normal

Stellen wir uns mal einen normalen Arbeitstag in der Notaufnahme einer Klinik vor. Da kommen ständig neue Verletzte, mal mit kleinen Blessuren, mal in lebensbedrohlichem Zustand. Dazu Rettungshubschrauber und Patienten aus Rettungswagen. An bestimmten Wochentagen sind es deutlich mehr Menschen, an anderen Tagen weniger, der Strom hängt zusätzlich von der Tageszeit ab, und auch zur Jahreszeit gibt es gewisse Abhängigkeiten. 

Was für die einzelne Person ein besonderes Ereignis ist – ein Unfall meist – das ist für die Mitarbeiter in der Notaufnahme der Normalfall. Selbst sehr schlimme Fälle gehören zur Tagesordnung. Man kann nüchtern Statistiken erheben und Zahlen zu Anzahl, Schwere oder Behandlungsbedarf und –dauer zusammenstellen. Auch wenn es ein Unfall, ein Notfall ist, dann kann man dennoch geordnet und organisiert damit umgehen. Auch das Unplanbare ist planbar, mehr noch: Es muss professionell durchdacht und als Option in die geplanten Abläufe integriert werden.
Womit ich beim Kern der Überlegung bin. Denn wie oft erlebe ich, dass Organisationen sich eben nicht mit der Statistik beschäftigen, eigentlich absehbare Abweichungen vom Normalfall werden wie die große Überraschung behandelt. Vernachlässigt man die statistische Betrachtung führt dies leider zu Fehlsteuerungen, die sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden betreffen. Die Besetzung einer Telefonhotline muss der typischen Zahl der Kundenanfragen angepasst werden. Die Ansage „Aufgrund unerwartet hoher Anzahl von Anrufen kann es zu längeren Wartezeiten kommen“ ist entweder gelogen oder ein Ausdruck von Missmanagement.

Selbst die Stellen, die typischerweise die Behandlung von Sonderfällen übernehmen müssen, sollte man mit den Erfahrungswerten der Vergangenheit abgleichen. Wann brauchen die Anwender von Computerprogrammen meistens Hilfe, wie sieht das zeitliche Profil der Kontakthäufigkeit aus. Woraus man beispielsweise eine geschickte Organisation von Terminen unter Vermeidung der Lastphasen ableiten kann.

Es gibt viel aus Profilen zu lernen, an dieser Stelle können moderne Systeme mit Künstlicher Intelligenz (KI) nützliche Hinweise geben. Und dabei muss eben auch der vermeintliche Notfall einkalkuliert werden, denn Unfälle (oder technische Pannen) sind leider normal. Kunden diese angeblichen Unplanbarkeiten spüren zu lassen oder unter dem Vorwand der Betriebswirtschaftlichkeit zu ignorieren ist unter diesem Gesichtspunkt gar nicht notwendig.

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Mittwoch, 6. April 2022

Untersuchung ja - Diagnose nein

Selbst wenn nur ein kleines Wehwehchen den Weg zum Arzt rechtfertigt – das lässt man sich nicht entgehen. Ein Anruf in der Praxis, Termin gemacht (möglichst bald) und dann Erwartung der Sprechstunde beim Doktor. Endlich Gelegenheit, seine Unpässlichkeiten zu thematisieren, über alle aktuellen körperlichen Gebrechen zu berichten und ein offenes Ohr vorzufinden. Ganz wichtig, dass der Mediziner sich alles in Ruhe anhört, notiert, eine ernste Miene macht und auch die Lappalien ernst nimmt. Das Ganze dann mit einer sorgfältigen Untersuchung abrundet.

Was nicht ganz so wichtig ist, sind weitere Untersuchungen oder eine Diagnose. Es kommt ja nicht darauf an, was dem Körper fehlt, sondern darauf, was der Geist vermisst. Nämlich liebevolle Kümmerung um das Gemüt. Medikamente, Behandlungen oder gar Ratschläge sind gar nicht gefragt.

Aber warum sollte es uns beim Arzt anders gehen als in der Firma? Auch da sitzen manchen Gremien zusammen, wollen Fachbereiche gehört werden. Das ist alles ganz wichtig, jede nicht untersuchte Anforderung könnte sich zum Kollaps des Unternehmens entwickeln, jedenfalls aber eine schwere Fehlentwicklung zur Folge haben. Und als ob man im Sprechzimmer zwischen nüchternen Wänden und auf leicht abgetretenem Parkettboden vor dem Weißkittel sitzt oder am Tisch mit anderen Fachvertretern und der technischen Abteilung – die Diagnose ist eher nebensächlich und die Umsetzung möglicherweise irrelevant.

Kern also, der Wichtigkeit Genüge zu tun, große und kleine Wünsche entgegenzunehmen und am Ende dann vielleicht sogar eine Folgeuntersuchung vorzunehmen.

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Mittwoch, 30. März 2022

Wo sind denn nur die Trüffelschweine?

Ehrlich gesagt, mache ich mir gar nicht so viel aus Trüffeln. Es sind Pilze, sie haben einen intensiven Geschmack und verströmen einen ebenso intensiven Geruch. Besonders scheint nur zu sein, dass es Menschen gibt, die sie gerne essen und sie zu einer Delikatesse hochstilisieren. Wegen ihrer Seltenheit ist es dann nur noch ein kurzer Weg, damit diese pflanzlichen Produkte als wertvoll und damit hochwertig gehandelt werden.
In diesem Zusammenhang hat sich herausgestellt, dass bestimmte Tiere diese Pilze riechen und auch im Erdreich aufspüren können. Für Menschen ein Schatz, für die Tiere eigentlich nur Nahrung. Mit ihrer empfindlichen Nase und einer kräftigen Schnauze sind Schweine die optimalen Sammler, und von Menschen begleitet können sie den Ort der gewünschten Beute zeigen.

Wo also sind sie, die Trüffelschweine im Unternehmen? Diese Mitarbeiter, die den richtigen Riecher haben, die man ein bisschen wühlen lassen muss, damit sie im Morast der Daten, Innovationen und Informationen die Schätze ausfindig machen. Das sind die wirklichen Treiber der Neuerungen, weit mehr als Weiterentwicklung und Optimierung (Evolution). Vielmehr laufen sie eher in Richtung Revolution, was oft zu Irritation führt. Verwunderung zum einen, weil die Gedanken unkonventionell sind, zum anderen, weil sie möglicherweise mit bestehenden Best-practice brechen. 
Und dann sind diese menschlichen Trüffelsucher möglicherweise ihrer Zeit so weit voraus sind, dass man sie leicht als Spinner einstuft. Wie sollte man sie denn auch als Visionär erkennen, wenn sie den Zeitstrahl zu überspringen scheinen.

Paradoxerweise muss man ausgerechnet diese Suchprofis mit der außergewöhnlich zuverlässigen Intuition selber suchen. Und wie die Schweine sind sie auf den ersten Blick unscheinbar und ernähren sich – um im Bild zu bleiben – von allen möglichen Resten, die man ihnen in den Futtertrog des Arbeitstages geworfen hat.
Meine Empfehlung ist an dieser Stelle, die Augen offen zu halten. Eine der angenehmen Eigenschaften dieser Spezies ist übrigens, dass sie sich meist ihrer Fähigkeit nur ansatzweise bewusst sind, bescheiden dabei. Kein Grund also, sich vor ihnen zu fürchten oder erwarten zu müssen, dass sie selbst Führungsansprüche geltend machen. Der Erfolg ihrer Suche ist ihnen meist Ansporn genug.

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Mittwoch, 23. März 2022

So kommen wir nicht weiter


Ein weit verbreiteter Irrtum besteht darin, Kampf und Krieg miteinander zu verwechselt. Seit Beginn der Menschheitsgeschichte gehen wir in den Kampf. Zentrales Element ist unser eigenes Leben, wir müssen Nahrung zu uns nehmen und dafür neben Pflanzen auch Tiere erbeuten. Das kann man mit List, zum Beispiel Fallenstellen hinbekommen, mit Hilfsmitteln wie Waffen oder mit reiner Gewalt. In jedem Fall ist das Ergebnis eine Mahlzeit.

Anders beim Krieg. Zwar gibt es auch hier List, Waffen und Gewalt. Aber das Ziel ist völlig anders. Angetrieben von Ideologen und organisiert über eine Hierarchiestruktur geht es hier nicht um Nahrung und persönliches Überleben. Sondern um Macht. Ein Mensch manövriert sich unter Seinesgleichen in immer höhere Ebenen der Hierarchie, was ihm die Möglichkeit eröffnet, andere Menschen zu steuern, ihnen Befehle zu geben.

Die weitere Steigerung über den Aufstieg in der Befehlshierarchie ist die Vergrößerung der Anzahl Untergebener. Je größer ich bin, desto mehr Menschen habe ich etwas zu sagen. Das verschafft mir mehr Macht und sorgt für eine Stellung, in der ich mehr Bewunderer und vielleicht auch Anhänger habe.

Aber hier endet leider der Vorteil der Macht. Wird sie für die Unterjochung von Menschen oder die Eroberung von Ländereien genutzt, dann erzielt man keinen Fortschritt. Kein Krieg hat bisher dazu geführt, dass Innovationen ermöglicht wurden. Vielmehr fällt die Forschung und damit der Fortschritt zurück, viel Energie muss in den Wiederaufbau einer funktionierenden Gesellschaft gesteckt werden.

Es ist ein biologischer Egoismus, dass Menschen sich als Platzhirsche etablieren wollen. In tiefer Ebene steckt das Ziel einer guten Partnerwahl dahinter. Die allerdings auf Kosten der Gemeinschaft geht. Zu allem Übel sind die Religionen in diesem Zusammenhang auch nicht dämpfend unterwegs, vielmehr gab und gibt es gerade von ihnen ausgehend zahlreiche Glaubenskriege.

Nur die Philosophie – und diese in ihrer universellen Ausprägung – zeigt als Zielbild den Menschen, der etwas erschafft. Dazu ist ihm der Kampf mit in die Wiege gelegt, der Krieg aber nicht.

Mittwoch, 16. März 2022

Wir brauchen Bienen


Heute Morgen gab es im Radio einen kurzen Beitrag über Bienen. Dass sie sehr wichtiger Teil des Ökosystems sind. Und dass es immer weniger Bienen in unserem Bundesland gibt. Wie tragisch, dachte ich, wieder so eine Randnotiz, deren Inhalt mehr Einfluss auf unser Leben hat, als uns im ersten Moment klar ist.
Warum, stellt sich die Frage, warum werden es denn immer weniger Bienen. Da kann man auf die Umwelt schauen, auf Gifte, auf kleiner werdende Lebensräume, zunehmende Anzahl natürlicher Feinde. Dann spielt aber auch die aussterbende Zunft der Imker eine Rolle. Wer möchte heute noch Imker sein, wer kann vom Erlös dieses Berufs leben oder wer füllt seine Freizeit mit diesem anspruchsvollen Hobby?

Für Vertreter einer ökonomisch geprägten Generation, für Anhänger des Min-Max-Prinzips (mit minimalem Aufwand zum maximalen Ergebnis) ist eine eher brotlose Kunst wenig attraktiv. Noch nicht einmal Renommee kann man mit der Betreuung von Bienenstöcken erringen. Allein die Freude an der Pflege von Völkern, der Versorgung dieser nützlichen Insekten und die Gewissheit, dass man etwas Gutes für die Allgemeinheit tut, reichen dann eher nicht.
Schaut man sich um, so ist dieses Phänomen aber noch weiter verbreitet, nicht nur bei Bienen und der Imkerei. An vielen Stellen gehen Menschen einen bequemen Weg mit Fokus auf den eigenen Vorteil, wer will es ihnen verdenken? Doch angesichts der Folgen frage ich mich, ob die Einstellung „wenn jeder für sich sorgt, ist ja für jeden gesorgt“ wirklich stimmt.
Je ausgeprägter die Orientierung an der persönlichen Entwicklung ist, desto stärker muss für ein ausgewogenes Gefüge der zentral organisierte Rahmen sein. Im Beispiel mit den Bienen wäre eine Abgabe denkbar, die für staatlich finanzierte Imker verwendet wird. Dann haben wir wieder genug Ressourcen für die Zucht der Bienen, um die sich der Einzelne nicht kümmern mag.

Das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt, er zeigt aber, dass eine Gesellschaft kollabiert, wenn sich die Sozialstruktur immer weiter zurückbildet und einem individuell verfolgten Gewinnstreben ohne Umfeldverantwortung Platz macht.

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