Interdisziplinäre Ansätze - Analogien, Gleichnisse, Anregungen für Perspektivenwechsel. Neuigkeiten jeden Mittwoch.
Mittwoch, 15. Februar 2023
Kurven, Kurven und noch mehr Kurven in Prozessen
Mittwoch, 8. Februar 2023
Suchmaschinenoptimierungsalgorithmus
Als Grundschüler habe ich mich mit dem Organisieren und
Ordnen von Informationen beschäftigt. Aus farbiger Pappe habe ich allerlei
Formen ausgeschnitten und jede dieser Pappschnitzel stand dann stellvertretend
für eine Sache. Die Papierstücke ließen sich mischen, ordnen, anders anordnen
und ich konnte damit spielen, Reihen und Ketten bilden, sortieren und
gruppieren. Was ich dann im Laufe der nächsten Jahre kennenlernte, war stets
strukturiert und baute aufeinander auf. Ob nun mathematische Formeln, chemische
Gleichungen, Vokabeln oder Erdkunde: Alle erlernten Inhalte hingen (zumindest
in ihrem Fach) in irgendeiner Form miteinander zusammen.
Und dann kam das Internet. Irgendwo auf der Welt veröffentlichte jemand einen Text, stellte ein Foto dazu oder verwies auf einen anderen Artikel in weiter Ferne. Keinerlei Struktur, einfach nur ein riesiger Haufen von HTML-Seiten, Bilddateien, Links, Grafiken und so weiter. Kein Inhaltsverzeichnis, kein Gesamtansatz, kein Standard. Wie sollte man in diesem Durcheinander gezielt an Informationen kommen?
Entsprechend war es eine dem System inhärente Bedingung, diesen Datenpool durch eine Suche durchstöbern zu können. Denkt man sich Suchmaschinen wie Google weg, dann ist das Internet – trotz seiner Vielfalt – komplett unbrauchbar. Ich könnte noch nicht einmal nach der Öffnungszeit der örtlichen Pizzeria schauen, da ich die Internetadresse (IP-Adresse) gar nicht erraten könnte. Der Nutzen dieses umfangreichen Angebotes hängt also stark von einer brauchbaren Suche ab. Wie soll ich etwas finden in einem riesigen Lager, das praktisch ohne nennenswerte Struktur angelegt ist und ständig geändert, erweitert und umgebaut wird?
Wenn aber diese Suche so eklatant wichtig ist, dann ist sie natürlich auch ein zentrales Steuerungsinstrument. Wer was findet, in welcher Reihenfolge die Sucherergebnisse ausgegeben werden, ist nicht nur für Werbetreibende und Anbieter von Bedeutung. Auch als Benutzer bin ich davon abhängig, was ein ausgefuchster Algorithmus für mich zusammenstellt. Wie sich das Ranking der Ergebnisse ergibt, das hängt im Wesentlichen von mir unbekannten Faktoren ab.
Und an dieser Stelle muss man den Glauben an die Neutralität der Informationsbeschaffung beerdigen. Selbst wenn man von bezahlten Werbeeinblendungen oder gesponserten Links absieht, ist es schlichtweg und per constructionem ausgeschlossen, ein unverfälschtes Bild zu erhalten. Da hilft am Ende doch nur die eigene (intellektuelle) Suchergebnisoptimierung verbunden mit einer ausgewachsenen Skepsis gegenüber den plakativen Behauptungen, die man in den Untiefen der Data Lakes findet.
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Mittwoch, 1. Februar 2023
Gerne agil, aber nicht pausenlos
Da hat sich ja ein Verfahren mächtig beliebt gemacht: Agilität ist das große Schlagwort, jeder
Berater hat es in seinem Wortschatz, jeder Manager lässt es in seine Folien und
Strategien einfließen. Und auch die meisten Mitarbeiter haben sich schon damit auseinandergesetzt.
Unterschiedlich nur, was die einzelnen Gruppen darunter verstehen. Als dieser Megatrend sich abzeichnete, war er mit schnellerer Reaktion, flexiblerem Eingehen auf Kundenwünsche und insbesondere mit gezielterer (=geringerer) Budgetierung verbunden. Alles musste agil werden, das war unausweichlich und dadurch wurde dann alles auch besser und schneller. Soweit die Darstellung der Berater.
Was die Führungsebene daraus ableitete war die Möglichkeit der Effizienzsteigerung, Kostensenkung, Geschwindigkeitserhöhung. Wer hört das nicht gerne und greift zu, insbesondere, wenn es ohne sichtbare Nachteile daherkommt.
Die Mitarbeiter waren begeistert, konnten sich unter dem Mantel der Agilität in kleinen Teams selbst organisieren und hatten das Gefühl der freieren Gestaltung bei der Umsetzung.
So auch hier: Entweder man überfordert die Mitarbeiter durch die Belastung mit Dauersprints, oder man baut gezielt auch Ruhezeiten ein, Tage also, in denen zwar (für das Projekt) gearbeitet wird, in denen aber kein Sprint auf dem Programm steht.
Dieser Ansatz mag den Steuernden nicht gefallen, verringert er doch temporär die Effizienz und macht damit einen Teil des Vorteils zunichte. Aber mittelfristig kommt man mit einem stabilen Team ohne Burn-out nachhaltiger zum Ziel.
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Mittwoch, 25. Januar 2023
Wir spüren nur Veränderung
Mittwoch, 18. Januar 2023
Aber das kann ich doch gar nicht (2)
Kaum hat ein
Mitarbeiter das gemacht, was er kann - nämlich gute Ideen zu entwickeln – muss
er etwas machen, was er nicht kann – nämlich diese Ideen in die Tat umsetzen.
In zahllosen Persönlichkeitsmodellen werden Menschen bestimmten Kategorien zugeordnet. Da gibt es zum Beispiel die chaotischen Kreativen, die Planer und Projektleiter, die akribischen Qualitätssicherer, nicht zu vergessen die Vertriebler.
In diesem Zusammenhang gefällt mir insbesondere das Teammodell von Belbin, denn er betont, dass richtig gute Ergebnisse nur bei Kombination dieser verschiedenen Typen erreicht werden können. In den seltensten Fällen ist eine Persönlichkeit ausschließlich einer Kategorie zuzuordnen, vielmehr hat man es oft mit Kombinationen zu tun, beispielsweise ein Projektleiter mit Vertriebsqualitäten. Was aber eigentlich nie vorkommt ist die Abdeckung aller Facetten.
Hierzu werfe ich einen Blick auf das Bild von der
Glühbirnen-Leuchte. Damit hier etwas leuchtet braucht man
(1) Strom und Stecker (sind da Standards zu berücksichtigen?)
(2) Eine Glühbirne (kann man die fertig kaufen oder muss man sie bauen?)
(3) Eine Fassung (marktgängig, aber für dieses Objekt anzupassen)
(4) Feinmechanik (wer sorgt für die technische Zeichnung, wo
bekommt man die Bauteile?)
(5) Elektrokabel (marktgängig, wer sorgt für den Anschluss
und die Prüfung?)
(6) Ein Zielbild und eine Gesamtplanung
Schon bei diesem simplen Beispiel wird klar, dass hier verschiedene
Disziplinen zusammenarbeiten müssen. Häufig sehe ich höchst einfallsreiche
Objekte, die von einem Designer entworfen, aber vom beauftragen Handwerker schlampig
umgesetzt wurden. Bei unserem Glühmännchen könnten die Beine durch
unprofessionelle Isolierung der Elektroleitung unter Strom geraten. Oder die
Glühbirne in ihrer Fassung die Elektrik überhitzen.
Aus dieser Erkenntnis ergibt sich zwangsläufig, dass man kreative Menschen nicht a priori zur Umsetzung ihrer Einfälle einsetzen kann. Entweder gelingt ihnen die Umsetzung nicht, weil sie sich damit schlicht nicht auskennen, oder sie leben die Umsetzung kreativ aus, was in einem geordneten Betrieb ziemlich leicht zu Durcheinander führt.
Warum, so frage ich mich, wird diese praxisferne Kombination erwartet? Im täglichen Leben wird doch kein Handybenutzer gezwungen, technische Anforderungen zu formulieren, nur weil er vorschlägt, den Routenplaner mit dem Adressbuch zu kombinieren.
Die Lösung liegt darin, die Einfallsreichen (ohne Umsetzungskompetenz) mit den Einfallslosen (mit Umsetzungskompetenz) zusammen zu bringen. Wobei man – ganz im Sinne von Belbin – betonen muss, dass der eine nicht besser ist als der andere, aber ohne die jeweilige Gegenseite nicht wirklich erfolgversprechend agieren kann.
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Mittwoch, 11. Januar 2023
Corona, Autofahrt und Börse
Mittwoch, 4. Januar 2023
Das Trägheitsmoment in der Führung
In Physik hatten wir in einer Experimentalstunde so kleine Kugeln
auf dem Tisch, die haben wir über eine schiefe Ebene rollen lassen und die Zeit
gemessen. Und in einem zweiten Experiment mussten wir die Kugeln an einem
Magneten vorbeirollen und je nach Magnetstärke den Ablenkwinkel notieren. In
beiden Fällen hatten die Bewegung und ihre Veränderung etwas mit einer äußeren
Krafteinwirkung (Erdanziehung bzw. Magnet) zu tun.
Daran dachte ich dieser Tage, als ich bei Gaby im Sportkurs war. Zum Aufwärmen hatte sie jeden von uns mit einem Gymnastikball versehen und wir sollten ihn durch den Raum rollen lassen, dabei aber jeden Zusammenprall vermeiden. Entsprechend musste man hinter dem Ball herlaufen und ihn dauernd anstoßen, in seiner Richtung beeinflussen, mal um einem entgegenkommenden Ball auszuweichen, mal um zu verhindern, dass er gegen die Wand stieß. Ein anstrengendes Unterfangen und nach wenigen Minuten waren wir außer Atem.
Heute fielen mir im Zusammenhang mit dem Muskelkater aus Gabys Kurs wieder das Aufwärmtraining und meine Assoziation zum Physikunterricht ein. Und ableitend wurde mir klar, dass ich den Ball oder seinerzeit die kleinen Stahlkugeln geführt hatte. Von alleine hatten sie sich ihren Weg gesucht, dafür hatte ich keinerlei Aufwand betreiben müssen. Im Schulunterricht hätte ich die Kugeln auf dem ebenen Labortisch rollen lassen können, bei Gaby einfach nur quer durch den Sportraum. Aber ich wollte auf die Trägheit der (geradlinig-gleichförmigen) Bewegung Einfluss nehmen, und dafür brauchte ich in beiden Fällen Kraft.
Nicht im physikalischen, aber im intellektuellen oder emotionalen Sinne finden wir dieses Trägheitsmoment der Bewegung auch in der Führung wieder. Einen Mitmenschen zu führen erfordert Kraft, unterschiedlich viel und unterschiedlich oft, aber sobald wir seinen Weg, seine Aktionen oder seine Ziele beeinflussen wollen geht dies nicht ohne Krafteinwirkung.
Wie stark die Wirkung bzw. wie gering die notwendige Kraft ist, hängt dabei zum einen vom gewünschten Kurswechsel und zum anderen von der inhärenten Trägheit (in der Physik: Masse) ab. Und spätestens an diesem Punkt wird es spannend, denn auch hier können wir bei der Physik abschauen. Ergänzen wir unsere Überlegungen nämlich noch mit der Massenanziehung, dann genügt es, ausgewählte Körper in ihrer Route zu ändern, sie ziehen andere Körper (mit geringerer Masse, das heißt geringerer Trägheit) mit in Richtung der neuen Bahn. Strategiewechsel müssen nicht jedem einzelnen Mitarbeiter nahegebracht werden, sind aber unbedingt den Leitfiguren (das sind die Drahtzieher, nicht unbedingt die hierarchischen Führungskräfte) zu vermitteln.
Anders ausgedrückt reicht es, sich auf die Rädelsführer zu konzentrieren, die sorgen für das Abholen der Mitläufer. Womit klar wird, dass es eklatant wichtig ist, diese tatsächlichen Meinungsbildner zu identifizieren und (unter „Krafteinsatz“) mitzunehmen - der Rest erledigt sich dann sozusagen von alleine.
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