Interdisziplinäre Ansätze - Analogien, Gleichnisse, Anregungen für Perspektivenwechsel. Neuigkeiten jeden Mittwoch.
Mittwoch, 20. September 2023
Künstliche Intelligenz ist menschlich
Dienstag, 5. September 2023
Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen
Mittwoch, 30. August 2023
Maria, Laundry-Managerin
Neu ist die Erforschung zum erweiterten Einsatz von Computern. Schon lange werden Rechner für die Steuerung von Waschvorgängen eingesetzt. Auch die Zahl der Sensoren ist im Laufe der Jahre sprunghaft angestiegen. Nicht nur Drehzahl und Temperatur, auch Durchflussgeschwindigkeit, Wassermenge, Vibration und viele weitere Indikatoren werden technisch beobachtet. Da liegt es nahe, mit KI nach geeigneter Wahl dieser Parameter zu suchen.
Maria hat also im Grunde gar nichts mit Bekleidung und deren Reinigung zu tun. Sie organisiert Treffen mit Computerfachleuten, vermittelt Gespräche mit Ingenieuren und informiert sich bei Vertretern der chemischen Industrie über neue Tenside. Keines der Themen ist ihre Kernkompetenz, fragt man sie nach der Entfernung eines Kirschflecks auf der Jeans muss sie passen. In seltenen Momenten des täglichen Lebens wird sich Maria unsicher, ob sie vielleicht den Bodenkontakt verloren hat. Die Beschäftigung mit Laundrymanagement kommt ihr seltsam fremd vor, aber dann sagt sie sich immer, dass sie Treiberin des Fortschritts ist, dass KI die Zukunft gehört und dass ausgerechnet sie daran mitwirkt.
Und doch: Kein physischer Kontakt, kein Anfassen von Stoff, kein Geruch oder Gefühl verbindet sie mit ihrer Tätigkeit. Die Tortendiagramme und Excel-Tabellen auf dem Computer sprechen nicht zu ihr, eher ist es tote Materie, zu der ihr die Beziehung fehlt. Ist das in den ersten Jahren der Karriere noch nicht so recht erkennbar gewesen, empfindet Maria dies zunehmend als Leere. In Kombination mit den hohen Anforderungen, die an sie gestellt werden mutiert ihre Tagesarbeit zunehmend zur Bewegung im Hamsterrad.
Emotionale Bindung an die eigene Berufsarbeit, sinngebende Bestandteile im Aufgabenportfolio und bleibende Werte bei der Wahl der beruflichen Weiterentwicklung gehören zu den Kernelementen für nachhaltigen Einsatz von Arbeitskräften. Ebenso spielt auch die persönliche Nähe, im Idealfall sogar die Anfassbarkeit des Produktes eine große Rolle. Ideen, Theorien oder Prozesse sind zwar wichtig, aber letztlich oft austauschbar. Nur die individuelle Beziehung zwischen Mensch und bearbeitetem Objekt schafft hier auf Dauer Zufriedenheit.
Mittwoch, 23. August 2023
Maria, Kleiderreinigungsfachangestellte
Natürlich kann man auf Maria verzichten, schließlich hat sie zwar goldene Hände bei der Reinigung von Wäsche aber keine Ahnung von Computern. Aber sie ist eine Arbeitskraft, die man nicht einfach abschreiben darf. Bei aller Begeisterung für technischen Fortschritt dürfen wir es uns nicht zu leicht machen. Die derzeitige Veränderungsgeschwindigkeit ist so groß, dass die wenigsten Arbeitnehmer ihr Leben lang ein auch nur halbwegs konstantes Berufsbild verfolgen. Und auch mit Weiterbildung und Schulungen kann man einen Menschen, der als Handwerker eingestiegen ist nicht unbedingt zum Bediener von Computer-Maschinen umbiegen. Da brauchen wir insgesamt viel mehr Kreativität und mehr Einfallsreichtum sowohl bei den Beratern als auch bei den Führungskräften.
Mittwoch, 16. August 2023
Maria, Wäschefrau
Mittwoch, 9. August 2023
Der Satire-Test
Mittwoch, 2. August 2023
Die vier Seiten der Kunst (Schulz von Thun)
Ein Bild sagt mehr
als tausend Worte. Oder: Das Kunstwerk spricht
mich an. In beiden Fällen Begriffe, die etwas mit Kommunikation zu tun haben.
Es liegt also nahe, die Interaktion zwischen Kunstwerk und Rezipient unter dem
Gesichtspunkt der Kommunikation zu betrachten. Und da bietet es sich an, das
bewährte Modell von Thun zu verwenden.
In der Kommunikationstheorie spricht Schulz von Thun von vier Seiten, die eine Nachricht hat. Der Sprecher offenbart etwas über sich selbst (Selbstkundgabe), transportiert eine Botschaft (Sachinhalt) und wendet sich mit einem Aufruf (Appell) an den Empfänger. In der Äußerung finden sich aber auch Hinweise auf das Verhältnis der beiden Personen (Beziehungsebene).
Diese vier Seiten gibt es aber eben nicht nur in der (gesprochenen) Sprache, sondern auch in der Kunst. Was dem Betrachter eines Bildes als erstes ins Auge springt, ist das dargestellte Objekt. Was ist auf dem Bild zu erkennen, wie stehen die Bildinhalte zueinander im Verhältnis, welche Farben spielen eine Rolle und welche Stilelemente kamen zum Einsatz. Das ist im Bild von Thun die Sachebene, je nach Bild mehr oder weniger deutlich zu erkennen. Bei Inhalten, die man erst entdecken, möglicherweise sogar dechiffrieren muss, spricht man von abstrakten Gemälden.
Schon schwieriger wird es bei der Appell-Seite. Was will mir dieses Bild sagen, das ist eine Frage, die sich viele Betrachter stellen. Möglicherweise möchte der Künstler einen Auftrag platzieren, will den Empfänger für ein Thema sensibilisieren oder sogar zu einer Handlung animieren. Als Beispiel nenne ich sozialkritische oder pazifistische Motive, es können aber auch rein humoristische Aspekte sein.
Oft eher undeutlich, aber jedenfalls auch vorhanden gibt es eine Beziehungsebene. Der Produzent stellt sich zum Betrachter in ein bestimmtes Verhältnis, mal im Sinne einer belehrenden Eltern-Rolle, mal in Form der kameradschaftlichen Gemeinsamkeit. Ebenso kann das Bild auch durch das Einfühlungsvermögen einer guten Partnerschaft geprägt sein.
Und dann ist da noch die Selbstkundgabe. Diese Perspektive wird meist übersehen und offenbart sich erst im Zusammenspiel mit anderen Werken. Je nach Sachinhalt und Appell kann man Rückschlüsse auf politische Ausrichtung und Mission des Künstlers ziehen. Aber seine Charaktereigenschaften sind eher verborgen, jedoch meist erkennbar, wenn man darauf achtet. Schon die Wahl der Farben und Kontraste, Strichstärke und Aufdruck geben Hinweise. Und durch Betrachtung der Motivauswahl wie auch der Komposition ist eine Detaillierung möglich.
Kunstwerke – hier am Beispiel von Gemälden – kann man also durchaus als Gesprächspartner verstehen. Und wenn ein Bild eine grüne Ampel zeigt… dann könnte das auch eine Anspielung auf Schulz von Thun sein.






