Interdisziplinäre Ansätze - Analogien, Gleichnisse, Anregungen für Perspektivenwechsel. Neuigkeiten jeden Mittwoch.
Dienstag, 14. November 2023
Das Tier im Unternehmen
Mittwoch, 8. November 2023
Zu viele Berater, zu wenig Beratene
Mittwoch, 1. November 2023
Hebammen und Erzieher guter Ideen
Das kommt mir bekannt vor. Auch neue Ansätze, Verfahren, Technologien kommen irgendwann auf den Markt, beeinflussen ihn vielleicht eine Weile, um dann in manchen Fällen zu verschwinden oder abgelöst zu werden. Es lohnt sich also, einen Blick auf die natürlichen Abläufe zu werfen, um Schlüsse für das technische Umfeld ziehen zu können.
Mit Geburten, dem Päppeln und Erziehen von jungen Menschen haben wir schon viele tausend Jahre Erfahrung
- Als erstes ist der Wunsch
vorhanden, ein Kind zu bekommen.
- Wir prüfen, ob wir diesen
Wunsch prinzipiell erfüllen können, das Kind ernähren und bis zur
Selbständigkeit betreuen können. Einen Teil dieser Prüfung nimmt uns die
Natur automatisch ab (Zeugungsfähigkeit bzw. Fruchtbarkeit).
- Die Natur hat es so
eingerichtet, dass die Befruchtung mit Lust verbunden ist.
- Durch die Befruchtung der
Eizelle legen wir den Grundstein für die Entwicklung eines neuen
Lebewesens. Ob das überhaupt geht hängt von der Erbsubstanz ab (wie in der
Tierwelt bekannt kann man nicht beliebig „kreuzen“), die ihrerseits in den
zusammengeführten Informationen (DNA) bereits einen Teil des Bauplans
enthält.
- Der heranreifende Fötus
ist im Mutterleib vor der Außenwelt geschützt und kann sich ungestört
entwickeln. Ein ausgeklügelter Mechanismus sorgt dafür, dass zwar ein
getrennter Organismus entsteht, dieser aber zunächst noch an den
Stoffwechsel der Mutter angekoppelt ist.
- Bei der Geburt wird der
neue Körper vollständig autark, die Nabelschnur kann gekappt werden. Er
ist aber noch nicht ohne Unterstützung überlebensfähig, vielmehr ist noch
Hilfe und Ernährung erforderlich.
- Im Heranwachsen lernt das
Kleinkind Grundfertigkeiten wie Kommunikation, Koordination von Bewegung
und soziale Kompetenzen wie das Einfügen in das persönliche Umfeld.
- Nach den ersten
Steuerungsimpulsen durch die Eltern übernehmen in vielen Ländern weitere
Personen die Erziehung, seien es Verwandte oder professionelle Erzieher.
Sie sorgen für eine möglichst gute Entwicklung mit dem Ziel, einen
möglichst hohen Wertbeitrag für die Familie oder die Gesellschaft zu
erhalten.
- In der Pubertät erarbeitet
sich der inzwischen körperlich weitgehend ausgewachsene Mensch auch seine
psychische Reife.
- Etwa zu dieser Zeit
beginnt die Produktivität; Lernen und Weiterentwicklung begleiten zwar
weiter, treten aber zunehmend in den Hintergrund.
Vielleicht fehlen in diesem Modell ein paar Meilensteine, aber der Grundablauf ist klar. Und er zeigt deutlich, wie ein Prozess im Unternehmen von dem ersten Gedanken bis zum Erreichen eines positiven Deckungsbeitrages verläuft. Wenn man die oben aufgeschriebene Liste noch einmal liest und bei jedem Punkt die Aspekte einer menschlichen Geburt durch unternehmerische Begriffe ersetzt kommt zum Beispiel folgende Aufstellung heraus:
- Neuerungen sollen her, es
werden Änderungen an Abläufen, Produkten oder Prozessen gewünscht.
- Ist für die Einleitung von
Veränderungen, Aktualisierungen oder Marktanpassungen Geld vorhanden, ist
die Belegschaft dafür geeignet?
- Innovation muss Spaß
machen, die Beteiligten müssen Lust auf neue Ansätze und Veränderung
haben.
- Kreative Köpfe aus
verschiedenen Disziplinen bringen verschiedene Aspekte mit Lösungen aus
ihrem Tätigkeitsfeld zusammen.
- Unter Laborbedingungen
wird ein Prototyp entworfen, der in dieser frühen Phase die vorhandene
Infrastruktur nutzt, aber perspektivisch auch ohne diese funktionstüchtig
ist.
- Es schließt sich eine
Pilotphase an, in der der Proof of Concept zu einem Minimum Viable Product
(MVP) weiterentwickelt wird.
- Integration in die
vorhandene Landschaft bzw. technische Architektur unter Einsatz der
vorgegebenen Basissysteme
- Das Produkt oder der
geänderte Prozess wird durch geeignetes Tuning auf hohen Wertbeitrag oder
RoI optimiert.
- Rollout in begrenztem
Umfang, Optimierung gemäß Anwenderfeedback, Bedienbarkeit,
Praxistauglichkeit.
- Vollständige Inbetriebnahme mit regelmäßiger Begutachtung und Weiterentwicklung. Orientierung an geeigneten Messgrößen (KPI) und Einleitung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP).
Mittwoch, 25. Oktober 2023
Mittwoch, Wartungstag
Es ist Mittwoch. Allwöchentliches Wartungs-Ritual.
„Ding-Dong“ die Haustürklingel. Es ist noch früher Morgen,
ich schlurfe zur Tür: „Ja, bitte?“
Vor dem Eingang steht ein junger Mann, vielleicht Ende
Dreißig, Schildmütze auf dem Kopf, gepflegte Monteurkleidung. „Ich komme zur
Wartung Ihres Hauses.“ Ich schaue ihn prüfend an: „Wer schickt Sie?“, knurre
ich.
„Ihre Versicherung.“ Und dann nach einer Pause: „Ich
kontrolliere den Wohnzustand und die technische Ausstattung.“ – „Aha. Und das
heute Morgen?“ Ich bin noch ein wenig verschlafen und habe überhaupt keine Lust
auf den ungeplanten Besuch.
„Darf ich reinkommen?“ – „Also, ehrlich gesagt passt es mir
jetzt gerade gar nicht. Ich will jetzt frühstücken und danach an den Computer.“
„Kein Problem“, strahlt mich der junge Mann an, „dann komme ich einfach morgen
wieder. Oder übermorgen.“
Mir wird klar, dass ich ihn nicht loswerde, schlimmer noch,
er wird so lange bei mir klingeln, bis er seine Arbeit gemacht hat. „Also gut,
kommen Sie rein“ höre ich mich sagen und schon hat er seinen bis dahin
unsichtbaren Koffer unter dem Arm und stürmt an mir vorbei in den Flur. Mit
sicherem Schritt geht er auf den Sicherungskasten zu und öffnet das Türchen.
„Sie können gerne frühstücken und an den Computer, ich
arbeite gerade meine Checkliste ab und dann bin ich auch schon wieder weg. Wenn
ich was brauche sage ich Bescheid.“ Das hört sich in der Tat ganz gut an, meine
Laune verbessert sich ein wenig und ich setze mich in Richtung Küche in
Bewegung. „Oh, halt, noch eins: Zur Leitungsprüfung der Dreiphasenleitung muss
ich kurz den Strom für die Küche abschalten.“ Das bedeutet, dass ich erst mal
keinen Kaffee kochen kann, meine Laune verschlechtert sich wieder.
„Ist ok“, raune ich, „dann mache ich später den Kaffee, ach
was, das ganze Frühstück verschiebe ich erst mal. Sagen Sie Bescheid, wenn sie
fertig sind.“ Statt in die Küche laufe ich jetzt in mein Arbeitszimmer, setze
mich an den Schreibtisch und starte den Computer. Die Programme erscheinen nach
und nach auf dem Bildschirm, ich beginne mit der Sichtung der E-Mails. „Hallo“,
höre ich eine Stimme hinter mir, „hallo, die Küche ist jetzt fertig, als
nächstes würde ich mir das Büro vornehmen. Können Sie vielleicht gerade noch
mal den Computer herunterfahren.“
Einerseits gut, dann kann ich meinen Kaffee machen,
andererseits schlecht, denn ich hatte gerade mit einer Bearbeitung angefangen.
„Also gut, ja, dann machen Sie. Können Sie nicht erst mal einen anderen Teil
Ihrer Checkliste abhaken?“ – „Doch, doch, natürlich. Dann gehe ich erst mal die
Fenstersicherungen durch. Können Sie mir die Schlüssel geben?“.
Pest oder Cholera. Ob ich meine dienstliche Mailbearbeitung
wegen der Stromabschaltung unterbreche, oder weil ich die Schlüssel für die
Fenstergriffe suchen muss. „Was brauchen Sie denn noch“, will ich missmutig
wissen. „Gar nichts, nur die Schlüssel für die Oliven. Eventuell später noch
mal Daten für das Codeschloss an der Haustür. Das ergibt sich bei der Kontrolle
der Smart Home Komponenten.“
Ich seufze. „Gut, gut, dann fahre ich jetzt den PC herunter,
Sie können die Leitung prüfen und währenddessen suche ich nach den Schlüsseln
für die Fenster und Terrassentüren.“ – „Sehr gerne“ flötet mein unerträglich
gut gelaunter Gast.
Eine knappe Stunde später hat er alles durchgecheckt, ich
bin ihm mehr oder weniger unfreiwillig die ganze Zeit zur Hand gegangen und
habe weder gefrühstückt noch gearbeitet. Meine Laune bessert sich erst, als er
sich mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen verabschiedet. Noch auf dem Weg zur
Tür verspricht er, dass er nächste Woche wiederkommt, eine Differenzprüfung
durchführt und an der einen oder anderen Stelle noch Wartungsarbeiten –
voraussichtlich an der Kaltwasserversorgung - durchführen muss.
Uff, er ist weg, jetzt aber schnell in die Küche oder zuerst
den Computer wieder hochfahren, die Schlüssel von den Fenstern abziehen und in
den eigentlichen Arbeitstag starten. Soweit der Plan, dann jetzt sehe ich, dass er
die Fenstergriffe getauscht hat. Die neuen Griffe sind ganz anders zu bedienen,
die Schlüssel passen natürlich nicht mehr. Oder genau genommen passen sie noch,
aber nur bei den Terrassentüren, denn an denen hat er nur die Griffe, aber
nicht die Schlösser getauscht. Die schöne Schließanlage ist damit in zwei nicht
zueinander passende Teile aufgeteilt. Zukünftig muss ich für die Fenster die
neuen Schlüssel, für die Türen die alten Schlüssel nehmen.
Mittwoch, 18. Oktober 2023
Die Demokratisierung des Fußballspieles
Mittwoch, 11. Oktober 2023
Umgang mit Pannen und absehbaren Fehlern
Mittwoch, 4. Oktober 2023
Eine Bahnfahrt, die ist lustig
Was am Beispiel der Deutschen Bahn jedem direkt aus der Alltagserfahrung vor Augen ist, das erleben wir alle aber leider auch in zahlreichen anderen Branchen. Fast möchte ich sagen, es begleitet mich in jeder Hinsicht durch den Tag. Menschen, die früher zuverlässig bereit standen werden sukzessive schwieriger planbar, ein Ausweichen auf andere Personen und Neuplanung von Terminen ist mittlerweile integraler Bestandteil meines Tages. Je nach Tätigkeit und Charakter der Beteiligten sehe ich vieles auf Höhe von Stufe 2 – und lesen wir doch noch mal, was da über die emotionale Komponente steht: „Entspannung wich einer Daueranspannung, ständiger Blick auf Uhr, Navigator-App, kurzfristigen Umplanungen und Improvisation neuer Verbindungen.“





