Interdisziplinäre Ansätze - Analogien, Gleichnisse, Anregungen für Perspektivenwechsel. Neuigkeiten jeden Mittwoch.
Mittwoch, 5. April 2023
Sechs Wochen später
Dienstag, 28. März 2023
Selbst-Vertrauen
„Ich bin immer so unsicher, ich habe gar kein
Selbstvertrauen.“ – Diesen Satz höre ich immer mal wieder, ein wenig
mitleidheischend, aber meist als Aufforderung, das mangelnde Selbstbewusstsein
zu stärken. Sei es durch Lob, gutes Zureden oder Negieren.
Dabei ist das in jedem Fall ein Irrweg. Der Name drückt ja
schon aus, dass es bei Selbstvertrauen um Vertrauen geht, das man sich selbst
gibt. Wie soll ich denn von außen etwas beeinflussen, was nur von innen
bereitgestellt wird. Natürlich kann ich meine wohlwollende Beobachtung
vorstellen, die Qualität einer Handlung oder einer Fähigkeit thematisieren.
Aber das führt nur sehr bedingt zu einer Veränderung des Selbstvertrauens.
Ansetzen muss man hier nämlich über die innere Bewertung
seiner selbst. Vertrauen heißt grundsätzlich, dass etwas in der Vergangenheit
gut gegangen ist und man davon ausgeht, dass es auch in Zukunft wieder gut
wird. Also eine Projektion vergangener Perioden auf die Situationen, die vor
einem liegen.
Ich habe mal im Supermarkt meine Geldbörse im Einkaufswagen gelassen, während ich an der Tiefkühltheke irgendwas gesucht habe. Als ich zum Wagen zurückkam, war das Portemonnaie noch da, kein Mensch hatte es entwendet. Auch beim nächsten und übernächsten Mal passierte nichts, mein Geld blieb unberührt. Nach einiger Zeit bildete ich mir ein, dass das nun immer so bleiben müsste, weil die Menschheit ehrlich ist. Mit der Zeit hatte ich ein unspezifisches Vertrauen aufgebaut.
Nun gibt es einerseits die Möglichkeit, dass man dieses
Vertrauen immer weiter in sich verankert, nach einiger Zeit auch gar nicht mehr
darüber nachdenkt und es überhaupt nicht gefährlich findet, seine Börse
unbeaufsichtigt im Einkaufswagen zu lassen. Vielleicht denkt man auch darüber
nach, dass dieses Verhalten zu dieser Zeit und in diesem Supermarkt unkritisch
ist. Oder man stuft es entgegen der bislang gemachten Erfahrungen als kritisch
ein und nimmt das Geld wieder in einen sicheren Ort auf.
Zurück zum Selbst-Vertrauen. Mit ähnlichem Blick kann ich durch die Welt gehen. Sie tut mir nichts, das Feedback ist weitgehend positiv und mit der Zeit gehe ich in meiner Einschätzung davon aus, dass das der Normalfall ist. Ich werde vielleicht sogar ein wenig mutiger und lote aus, wie mein Umfeld auf dies oder das reagiert. Und schon in diesem Moment stelle ich mein in mich selbst gesetztes Vertrauen auf den Prüfstand. Ob ich mich wie bei den fortwährenden Ehrlichkeits-Erlebnissen im Supermarkt einlullen lasse oder trotz durchweg positiver Erfahrung skeptisch bleibe – das ist jedenfalls eine Bewertung, die in mir und nur in mir und nur durch mich vorgenommen wird.
Wie ausgeprägt mein Selbstvertrauen ist, hängt also nur zu einem Bruchteil von den Aussagen meiner Freunde ab. Einzuklagen, sie mögen doch bitte meine Zweifel oder mein unterentwickeltes Selbstbewusstsein heilen ist damit abwegig. Das muss ich schon selbst machen, wenn ich Defizite feststelle.
[Andere Blogs: Dienstliche Glossen, Feingeistiges]
Mittwoch, 22. März 2023
The future's not ours to see
„Papa, wie lange fahren wir noch?“ Eine Frage, die jeder
Vater früher oder später schon mal gehört hat. Heute ist die Frage ja recht
leicht zu beantworten, ein Blick auf das Navi und schon kann man auf die Minute
genau Auskunft geben. Egal, ob das Kind etwas mit der Antwort anfangen kann,
denn das Zeitgefühl entwickelt sich erst im Laufe der Jahre.
Normalerweise geht das ganz gut, aber manchmal kommen
unvorhergesehene, ja sogar unvorhersehbare Situationen dazwischen. Ein Unfall
mit nachfolgender Vollsperrung der Autobahn, ein umgestürzter Baum, ein Defekt
des eigenen Fahrzeugs oder eine Zwangspause, weil das Kind über Übelkeit klagt.
„Herr CEO, wie wird sich das Geschäft im kommenden Jahr
entwickeln?“ Ja, bin ich denn von Kindern umgeben? Selbst wenn man einen Blick
in die Geschäftszahlen und Kenngrößen wirft, kann man die Frage kaum mit einem
einzelnen Satz beantworten. Da wird eine Zahl angegeben, dabei aber der
Hinweis, dass es neue Geschäftsfelder gibt, dass die neuen Produkte in der
Hochlaufkurve sind und überhaupt das Nearshoring. Immerhin ist mit einer
sorgfältigen Analyse der Entwicklungen eine halbwegs belastbare Antwort
möglich.
Aber wir können nun mal nicht in die Zukunft schauen. Was bislang immer zutraf muss sich nicht in die Zeit fortsetzen, die vor uns liegt. Das ist die große Krux mit Hochrechnungen und allen Formen von Prognosen. Ursache hiervon ist die Komplexität unserer Welt, kleine Auslöser können den Markt durchrütteln oder sogar ein einzelnes Virus unser menschliches Leben in seinen Grundfesten erschüttern.
Konkurrenzprodukte, neue Technologien, Reputationsschäden oder Überraschungen wie das Auftreten einer Pandemie führen eine Vorhersage leicht ad absurdum. Und auf einmal schwenkt die Aufgabe der Unternehmensführung von kompliziert zu komplex. Bewährte wenn-dann-Mechanismen greifen nicht mehr, Experten (das sind die Beherrscher komplizierter Systeme) sind angesichts der nie dagewesenen Nebenbedingungen ratlos.
Und auf einmal sind Vorstände oder in anderem Zusammenhang
Politiker in der Vaterrolle. Alle schauen sie erwartungsvoll an, verlangen eine
Antwort. Mein Vater, der Held, der Mensch, der immer weiß, wo es lang geht.
Aber er weiß es nicht, er muss – ob er will oder nicht – eine komplexe
Situation handhaben. Berücksichtigung aller verfügbarer Informationen,
Betrachtung der Handlungsalternativen, dann aber auch beherztes Handeln sind
angesagt. Und immer wieder sorgfältige Beobachtung der Entwicklung, gerade auch
der Nachbargebiete; Kurzfristige Lösungen sollten nicht zu mittelfristigen
Problemen führen. Alle Kraft muss sich in diesem Moment darauf konzentrieren,
die Reaktion des ganzen Systems aus Menschen, Gruppen, Markt und so weiter im
Auge zu behalten und ohne Zögern gegenzusteuern, wenn man sich (gesamtheitlich)
vom anvisierten Ergebnis entfernt.
Doch es gibt auch Trost: Nach jeder (im mathematischen Sinne) chaotischen Phase folgt grundsätzlich wieder eine deterministische, also vorherbestimmbare Phase. Die Steuerer – seien es Führungskräfte, Politiker oder Eltern – rühmen sich dann, die Situation in den Griff bekommen zu haben. Nun ja, aus meiner Sicht wäre die Formulierung des geschickten Überstehens in den meisten Fällen passender.
Mittwoch, 15. März 2023
Digitalisierung: Eine Bestandsaufnahme
Mittwoch, 8. März 2023
Ziel, Ergebnis und Der kleine Prinz
Mittwoch, 1. März 2023
Richtgeschwindigkeit in Abläufen
Mittwoch, 22. Februar 2023
Der Aschermittwoch des Lebens
„Staub bist Du, zu Staub wirst Du“ - Meine Gedanken gehen zurück zu den letzten Tagen, Jubel, Trubel, Heiterkeit. Und nach vorne, denn es liegen 40 Tage Fastenzeit vor mir. Aus Sicht eines Karnevalisten erreiche ich heute den Tiefpunkt des Jahres. Doch wie es mit Tiefpunkten so ist, haben sie auch ihr Gutes: es geht ab jetzt aufwärts. Der elfte November ist nur noch 262 Tage entfernt, doch bis dahin gibt es nur eine kurze Pause, müssen doch Kostüme, Equipment, Reden und so weiter auch vorbereitet werden.






