Interdisziplinäre Ansätze - Analogien, Gleichnisse, Anregungen für Perspektivenwechsel. Neuigkeiten jeden Mittwoch.
Mittwoch, 27. Dezember 2023
Zwischen den Jahren
Mittwoch, 20. Dezember 2023
Weihnachten kann kommen
Aber der Heiligabend wirft natürlich auch seinen Schatten voraus. Da müssen Geschenke erdacht, vielleicht sogar gebastelt werden. Und natürlich ist Einkaufen angesagt, Vorbereiten der Mahlzeiten, Überlegungen bezüglich der Gäste und eventuell deren Unterbringung und Bespaßung.
Dienstag, 12. Dezember 2023
Das muss dich doch interessieren!
Mittwoch, 6. Dezember 2023
Tarzan
Mittwoch, 29. November 2023
Krrrrk – Ich habe Sie nicht verstanden
Mittwoch, 22. November 2023
Dafür haben wir keinen Sensor
Dienstag, 14. November 2023
Das Tier im Unternehmen
Mittwoch, 8. November 2023
Zu viele Berater, zu wenig Beratene
Mittwoch, 1. November 2023
Hebammen und Erzieher guter Ideen
Das kommt mir bekannt vor. Auch neue Ansätze, Verfahren, Technologien kommen irgendwann auf den Markt, beeinflussen ihn vielleicht eine Weile, um dann in manchen Fällen zu verschwinden oder abgelöst zu werden. Es lohnt sich also, einen Blick auf die natürlichen Abläufe zu werfen, um Schlüsse für das technische Umfeld ziehen zu können.
Mit Geburten, dem Päppeln und Erziehen von jungen Menschen haben wir schon viele tausend Jahre Erfahrung
- Als erstes ist der Wunsch
vorhanden, ein Kind zu bekommen.
- Wir prüfen, ob wir diesen
Wunsch prinzipiell erfüllen können, das Kind ernähren und bis zur
Selbständigkeit betreuen können. Einen Teil dieser Prüfung nimmt uns die
Natur automatisch ab (Zeugungsfähigkeit bzw. Fruchtbarkeit).
- Die Natur hat es so
eingerichtet, dass die Befruchtung mit Lust verbunden ist.
- Durch die Befruchtung der
Eizelle legen wir den Grundstein für die Entwicklung eines neuen
Lebewesens. Ob das überhaupt geht hängt von der Erbsubstanz ab (wie in der
Tierwelt bekannt kann man nicht beliebig „kreuzen“), die ihrerseits in den
zusammengeführten Informationen (DNA) bereits einen Teil des Bauplans
enthält.
- Der heranreifende Fötus
ist im Mutterleib vor der Außenwelt geschützt und kann sich ungestört
entwickeln. Ein ausgeklügelter Mechanismus sorgt dafür, dass zwar ein
getrennter Organismus entsteht, dieser aber zunächst noch an den
Stoffwechsel der Mutter angekoppelt ist.
- Bei der Geburt wird der
neue Körper vollständig autark, die Nabelschnur kann gekappt werden. Er
ist aber noch nicht ohne Unterstützung überlebensfähig, vielmehr ist noch
Hilfe und Ernährung erforderlich.
- Im Heranwachsen lernt das
Kleinkind Grundfertigkeiten wie Kommunikation, Koordination von Bewegung
und soziale Kompetenzen wie das Einfügen in das persönliche Umfeld.
- Nach den ersten
Steuerungsimpulsen durch die Eltern übernehmen in vielen Ländern weitere
Personen die Erziehung, seien es Verwandte oder professionelle Erzieher.
Sie sorgen für eine möglichst gute Entwicklung mit dem Ziel, einen
möglichst hohen Wertbeitrag für die Familie oder die Gesellschaft zu
erhalten.
- In der Pubertät erarbeitet
sich der inzwischen körperlich weitgehend ausgewachsene Mensch auch seine
psychische Reife.
- Etwa zu dieser Zeit
beginnt die Produktivität; Lernen und Weiterentwicklung begleiten zwar
weiter, treten aber zunehmend in den Hintergrund.
Vielleicht fehlen in diesem Modell ein paar Meilensteine, aber der Grundablauf ist klar. Und er zeigt deutlich, wie ein Prozess im Unternehmen von dem ersten Gedanken bis zum Erreichen eines positiven Deckungsbeitrages verläuft. Wenn man die oben aufgeschriebene Liste noch einmal liest und bei jedem Punkt die Aspekte einer menschlichen Geburt durch unternehmerische Begriffe ersetzt kommt zum Beispiel folgende Aufstellung heraus:
- Neuerungen sollen her, es
werden Änderungen an Abläufen, Produkten oder Prozessen gewünscht.
- Ist für die Einleitung von
Veränderungen, Aktualisierungen oder Marktanpassungen Geld vorhanden, ist
die Belegschaft dafür geeignet?
- Innovation muss Spaß
machen, die Beteiligten müssen Lust auf neue Ansätze und Veränderung
haben.
- Kreative Köpfe aus
verschiedenen Disziplinen bringen verschiedene Aspekte mit Lösungen aus
ihrem Tätigkeitsfeld zusammen.
- Unter Laborbedingungen
wird ein Prototyp entworfen, der in dieser frühen Phase die vorhandene
Infrastruktur nutzt, aber perspektivisch auch ohne diese funktionstüchtig
ist.
- Es schließt sich eine
Pilotphase an, in der der Proof of Concept zu einem Minimum Viable Product
(MVP) weiterentwickelt wird.
- Integration in die
vorhandene Landschaft bzw. technische Architektur unter Einsatz der
vorgegebenen Basissysteme
- Das Produkt oder der
geänderte Prozess wird durch geeignetes Tuning auf hohen Wertbeitrag oder
RoI optimiert.
- Rollout in begrenztem
Umfang, Optimierung gemäß Anwenderfeedback, Bedienbarkeit,
Praxistauglichkeit.
- Vollständige Inbetriebnahme mit regelmäßiger Begutachtung und Weiterentwicklung. Orientierung an geeigneten Messgrößen (KPI) und Einleitung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP).
Mittwoch, 25. Oktober 2023
Mittwoch, Wartungstag
Es ist Mittwoch. Allwöchentliches Wartungs-Ritual.
„Ding-Dong“ die Haustürklingel. Es ist noch früher Morgen,
ich schlurfe zur Tür: „Ja, bitte?“
Vor dem Eingang steht ein junger Mann, vielleicht Ende
Dreißig, Schildmütze auf dem Kopf, gepflegte Monteurkleidung. „Ich komme zur
Wartung Ihres Hauses.“ Ich schaue ihn prüfend an: „Wer schickt Sie?“, knurre
ich.
„Ihre Versicherung.“ Und dann nach einer Pause: „Ich
kontrolliere den Wohnzustand und die technische Ausstattung.“ – „Aha. Und das
heute Morgen?“ Ich bin noch ein wenig verschlafen und habe überhaupt keine Lust
auf den ungeplanten Besuch.
„Darf ich reinkommen?“ – „Also, ehrlich gesagt passt es mir
jetzt gerade gar nicht. Ich will jetzt frühstücken und danach an den Computer.“
„Kein Problem“, strahlt mich der junge Mann an, „dann komme ich einfach morgen
wieder. Oder übermorgen.“
Mir wird klar, dass ich ihn nicht loswerde, schlimmer noch,
er wird so lange bei mir klingeln, bis er seine Arbeit gemacht hat. „Also gut,
kommen Sie rein“ höre ich mich sagen und schon hat er seinen bis dahin
unsichtbaren Koffer unter dem Arm und stürmt an mir vorbei in den Flur. Mit
sicherem Schritt geht er auf den Sicherungskasten zu und öffnet das Türchen.
„Sie können gerne frühstücken und an den Computer, ich
arbeite gerade meine Checkliste ab und dann bin ich auch schon wieder weg. Wenn
ich was brauche sage ich Bescheid.“ Das hört sich in der Tat ganz gut an, meine
Laune verbessert sich ein wenig und ich setze mich in Richtung Küche in
Bewegung. „Oh, halt, noch eins: Zur Leitungsprüfung der Dreiphasenleitung muss
ich kurz den Strom für die Küche abschalten.“ Das bedeutet, dass ich erst mal
keinen Kaffee kochen kann, meine Laune verschlechtert sich wieder.
„Ist ok“, raune ich, „dann mache ich später den Kaffee, ach
was, das ganze Frühstück verschiebe ich erst mal. Sagen Sie Bescheid, wenn sie
fertig sind.“ Statt in die Küche laufe ich jetzt in mein Arbeitszimmer, setze
mich an den Schreibtisch und starte den Computer. Die Programme erscheinen nach
und nach auf dem Bildschirm, ich beginne mit der Sichtung der E-Mails. „Hallo“,
höre ich eine Stimme hinter mir, „hallo, die Küche ist jetzt fertig, als
nächstes würde ich mir das Büro vornehmen. Können Sie vielleicht gerade noch
mal den Computer herunterfahren.“
Einerseits gut, dann kann ich meinen Kaffee machen,
andererseits schlecht, denn ich hatte gerade mit einer Bearbeitung angefangen.
„Also gut, ja, dann machen Sie. Können Sie nicht erst mal einen anderen Teil
Ihrer Checkliste abhaken?“ – „Doch, doch, natürlich. Dann gehe ich erst mal die
Fenstersicherungen durch. Können Sie mir die Schlüssel geben?“.
Pest oder Cholera. Ob ich meine dienstliche Mailbearbeitung
wegen der Stromabschaltung unterbreche, oder weil ich die Schlüssel für die
Fenstergriffe suchen muss. „Was brauchen Sie denn noch“, will ich missmutig
wissen. „Gar nichts, nur die Schlüssel für die Oliven. Eventuell später noch
mal Daten für das Codeschloss an der Haustür. Das ergibt sich bei der Kontrolle
der Smart Home Komponenten.“
Ich seufze. „Gut, gut, dann fahre ich jetzt den PC herunter,
Sie können die Leitung prüfen und währenddessen suche ich nach den Schlüsseln
für die Fenster und Terrassentüren.“ – „Sehr gerne“ flötet mein unerträglich
gut gelaunter Gast.
Eine knappe Stunde später hat er alles durchgecheckt, ich
bin ihm mehr oder weniger unfreiwillig die ganze Zeit zur Hand gegangen und
habe weder gefrühstückt noch gearbeitet. Meine Laune bessert sich erst, als er
sich mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen verabschiedet. Noch auf dem Weg zur
Tür verspricht er, dass er nächste Woche wiederkommt, eine Differenzprüfung
durchführt und an der einen oder anderen Stelle noch Wartungsarbeiten –
voraussichtlich an der Kaltwasserversorgung - durchführen muss.
Uff, er ist weg, jetzt aber schnell in die Küche oder zuerst
den Computer wieder hochfahren, die Schlüssel von den Fenstern abziehen und in
den eigentlichen Arbeitstag starten. Soweit der Plan, dann jetzt sehe ich, dass er
die Fenstergriffe getauscht hat. Die neuen Griffe sind ganz anders zu bedienen,
die Schlüssel passen natürlich nicht mehr. Oder genau genommen passen sie noch,
aber nur bei den Terrassentüren, denn an denen hat er nur die Griffe, aber
nicht die Schlösser getauscht. Die schöne Schließanlage ist damit in zwei nicht
zueinander passende Teile aufgeteilt. Zukünftig muss ich für die Fenster die
neuen Schlüssel, für die Türen die alten Schlüssel nehmen.
Mittwoch, 18. Oktober 2023
Die Demokratisierung des Fußballspieles
Mittwoch, 11. Oktober 2023
Umgang mit Pannen und absehbaren Fehlern
Mittwoch, 4. Oktober 2023
Eine Bahnfahrt, die ist lustig
Was am Beispiel der Deutschen Bahn jedem direkt aus der Alltagserfahrung vor Augen ist, das erleben wir alle aber leider auch in zahlreichen anderen Branchen. Fast möchte ich sagen, es begleitet mich in jeder Hinsicht durch den Tag. Menschen, die früher zuverlässig bereit standen werden sukzessive schwieriger planbar, ein Ausweichen auf andere Personen und Neuplanung von Terminen ist mittlerweile integraler Bestandteil meines Tages. Je nach Tätigkeit und Charakter der Beteiligten sehe ich vieles auf Höhe von Stufe 2 – und lesen wir doch noch mal, was da über die emotionale Komponente steht: „Entspannung wich einer Daueranspannung, ständiger Blick auf Uhr, Navigator-App, kurzfristigen Umplanungen und Improvisation neuer Verbindungen.“
Mittwoch, 27. September 2023
Was ich wahrscheinlich nie erfahre
Mittwoch, 20. September 2023
Künstliche Intelligenz ist menschlich
Dienstag, 5. September 2023
Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen
Mittwoch, 30. August 2023
Maria, Laundry-Managerin
Neu ist die Erforschung zum erweiterten Einsatz von Computern. Schon lange werden Rechner für die Steuerung von Waschvorgängen eingesetzt. Auch die Zahl der Sensoren ist im Laufe der Jahre sprunghaft angestiegen. Nicht nur Drehzahl und Temperatur, auch Durchflussgeschwindigkeit, Wassermenge, Vibration und viele weitere Indikatoren werden technisch beobachtet. Da liegt es nahe, mit KI nach geeigneter Wahl dieser Parameter zu suchen.
Maria hat also im Grunde gar nichts mit Bekleidung und deren Reinigung zu tun. Sie organisiert Treffen mit Computerfachleuten, vermittelt Gespräche mit Ingenieuren und informiert sich bei Vertretern der chemischen Industrie über neue Tenside. Keines der Themen ist ihre Kernkompetenz, fragt man sie nach der Entfernung eines Kirschflecks auf der Jeans muss sie passen. In seltenen Momenten des täglichen Lebens wird sich Maria unsicher, ob sie vielleicht den Bodenkontakt verloren hat. Die Beschäftigung mit Laundrymanagement kommt ihr seltsam fremd vor, aber dann sagt sie sich immer, dass sie Treiberin des Fortschritts ist, dass KI die Zukunft gehört und dass ausgerechnet sie daran mitwirkt.
Und doch: Kein physischer Kontakt, kein Anfassen von Stoff, kein Geruch oder Gefühl verbindet sie mit ihrer Tätigkeit. Die Tortendiagramme und Excel-Tabellen auf dem Computer sprechen nicht zu ihr, eher ist es tote Materie, zu der ihr die Beziehung fehlt. Ist das in den ersten Jahren der Karriere noch nicht so recht erkennbar gewesen, empfindet Maria dies zunehmend als Leere. In Kombination mit den hohen Anforderungen, die an sie gestellt werden mutiert ihre Tagesarbeit zunehmend zur Bewegung im Hamsterrad.
Emotionale Bindung an die eigene Berufsarbeit, sinngebende Bestandteile im Aufgabenportfolio und bleibende Werte bei der Wahl der beruflichen Weiterentwicklung gehören zu den Kernelementen für nachhaltigen Einsatz von Arbeitskräften. Ebenso spielt auch die persönliche Nähe, im Idealfall sogar die Anfassbarkeit des Produktes eine große Rolle. Ideen, Theorien oder Prozesse sind zwar wichtig, aber letztlich oft austauschbar. Nur die individuelle Beziehung zwischen Mensch und bearbeitetem Objekt schafft hier auf Dauer Zufriedenheit.
Mittwoch, 23. August 2023
Maria, Kleiderreinigungsfachangestellte
Natürlich kann man auf Maria verzichten, schließlich hat sie zwar goldene Hände bei der Reinigung von Wäsche aber keine Ahnung von Computern. Aber sie ist eine Arbeitskraft, die man nicht einfach abschreiben darf. Bei aller Begeisterung für technischen Fortschritt dürfen wir es uns nicht zu leicht machen. Die derzeitige Veränderungsgeschwindigkeit ist so groß, dass die wenigsten Arbeitnehmer ihr Leben lang ein auch nur halbwegs konstantes Berufsbild verfolgen. Und auch mit Weiterbildung und Schulungen kann man einen Menschen, der als Handwerker eingestiegen ist nicht unbedingt zum Bediener von Computer-Maschinen umbiegen. Da brauchen wir insgesamt viel mehr Kreativität und mehr Einfallsreichtum sowohl bei den Beratern als auch bei den Führungskräften.
Mittwoch, 16. August 2023
Maria, Wäschefrau
Mittwoch, 9. August 2023
Der Satire-Test
Mittwoch, 2. August 2023
Die vier Seiten der Kunst (Schulz von Thun)
Ein Bild sagt mehr
als tausend Worte. Oder: Das Kunstwerk spricht
mich an. In beiden Fällen Begriffe, die etwas mit Kommunikation zu tun haben.
Es liegt also nahe, die Interaktion zwischen Kunstwerk und Rezipient unter dem
Gesichtspunkt der Kommunikation zu betrachten. Und da bietet es sich an, das
bewährte Modell von Thun zu verwenden.
In der Kommunikationstheorie spricht Schulz von Thun von vier Seiten, die eine Nachricht hat. Der Sprecher offenbart etwas über sich selbst (Selbstkundgabe), transportiert eine Botschaft (Sachinhalt) und wendet sich mit einem Aufruf (Appell) an den Empfänger. In der Äußerung finden sich aber auch Hinweise auf das Verhältnis der beiden Personen (Beziehungsebene).
Diese vier Seiten gibt es aber eben nicht nur in der (gesprochenen) Sprache, sondern auch in der Kunst. Was dem Betrachter eines Bildes als erstes ins Auge springt, ist das dargestellte Objekt. Was ist auf dem Bild zu erkennen, wie stehen die Bildinhalte zueinander im Verhältnis, welche Farben spielen eine Rolle und welche Stilelemente kamen zum Einsatz. Das ist im Bild von Thun die Sachebene, je nach Bild mehr oder weniger deutlich zu erkennen. Bei Inhalten, die man erst entdecken, möglicherweise sogar dechiffrieren muss, spricht man von abstrakten Gemälden.
Schon schwieriger wird es bei der Appell-Seite. Was will mir dieses Bild sagen, das ist eine Frage, die sich viele Betrachter stellen. Möglicherweise möchte der Künstler einen Auftrag platzieren, will den Empfänger für ein Thema sensibilisieren oder sogar zu einer Handlung animieren. Als Beispiel nenne ich sozialkritische oder pazifistische Motive, es können aber auch rein humoristische Aspekte sein.
Oft eher undeutlich, aber jedenfalls auch vorhanden gibt es eine Beziehungsebene. Der Produzent stellt sich zum Betrachter in ein bestimmtes Verhältnis, mal im Sinne einer belehrenden Eltern-Rolle, mal in Form der kameradschaftlichen Gemeinsamkeit. Ebenso kann das Bild auch durch das Einfühlungsvermögen einer guten Partnerschaft geprägt sein.
Und dann ist da noch die Selbstkundgabe. Diese Perspektive wird meist übersehen und offenbart sich erst im Zusammenspiel mit anderen Werken. Je nach Sachinhalt und Appell kann man Rückschlüsse auf politische Ausrichtung und Mission des Künstlers ziehen. Aber seine Charaktereigenschaften sind eher verborgen, jedoch meist erkennbar, wenn man darauf achtet. Schon die Wahl der Farben und Kontraste, Strichstärke und Aufdruck geben Hinweise. Und durch Betrachtung der Motivauswahl wie auch der Komposition ist eine Detaillierung möglich.
Kunstwerke – hier am Beispiel von Gemälden – kann man also durchaus als Gesprächspartner verstehen. Und wenn ein Bild eine grüne Ampel zeigt… dann könnte das auch eine Anspielung auf Schulz von Thun sein.
Mittwoch, 26. Juli 2023
Das mache ich mit links
Mittwoch, 19. Juli 2023
Ein Hoch auf das Großraumbüro
Beschäftigen wir uns doch heute mal mit der glorreichen
Entwicklung von Großraumbüros. Nein, das sind nicht etwa diese Legebatterien,
in denen Mitarbeiter auf gesetzlich geregelter Mindestfläche zusammengepfercht
und zu hochwertigem Multitasking unter Berücksichtigung aller um sie herum
geführten Gespräche gezwungen werden. Es sind auch nicht die Tempel der
Kommunikation, in denen wir alle Hörschwellen überschreiten, abschirmende
Hüllen fallen lassen und aus dem Vollen schöpfen, was der im Raum eingesperrte
Schwarm an Intelligenz entwickelt. Ebenso wenig verstehe ich darunter jene
Räume, in denen die gemeinschaftlich verbreiteten Gerüche, Geräusche, Gespräche
mit einem Cocktail der Emotionen verrührt und bei einer demokratisch bestimmten
Temperatur auf den Schreibtisch gebracht werden.
Es geht um Fortschritt. Ein Segen, dass die Arbeitsbedingungen des neunzehnten Jahrhunderts weit hinter uns liegen. Schritt für Schritt und sukzessive wird die Fähigkeit zum Multitasking weiter ausgebaut. Wie sonst sollte man Mitarbeiter an das New Work mit seinen Floorfluencern heranführen, aus ihnen die anvisierten Cloudworker machen? Es grenzt an Selbstlosigkeit, wieviel Geld die Unternehmen in die Hand nehmen, um Denkwände zwischen den altmodischen Büros einzureißen, immer wieder erinnert es mich an die Wiedervereinigung und an die Dankbarkeit der Neuen Bundesländer, als sie endlich auch in den Genuss des Kapitalismus mit seinen wunderbaren Seiten kamen.
Der Faden reißt – die Realität erwartet mich, denn die Innenarchitekten haben ganze Arbeit geleistet. Ist es die Haltlosigkeit der nicht vorhandenen Begrünung oder sind es die fehlenden persönlichen Accessoires, die die Großraumbüros zu Aufenthaltsräumen mit dem Charme eines Wartesaals im Provinzbahnhof machen? Und wollte nicht die allgegenwärtige Kommunikation ihren Siegeszug auch in diese Hallen bringen, die von vielen Menschen als Arbeitsräume missverstanden werden? Da heißt es aufräumen bei den angestaubten Vorstellungen, entsorgen von oldfashioned Mindsets und Einführung von Multitasking und Agilität. Sind wir nicht alle ein bisschen agil, liegt hier nicht der Schlüssel für die Tür in die Zukunft?
Arbeit wird Spiel und Spiel wird Arbeit, Startups machen es uns vor, aus der Hängematte lässt sich ein Unternehmen leichter an die Wand fahren als auf der Basis von validierten Zahlen. Spielen wir also mal Großraumbüro und zeigen der Welt, dass unsere Konzentration entgegen der Natur nicht schon bei gleichzeitiger Aufmerksamkeit auf drei Vorgänge auf infantiles Niveau absinkt. Das Mantra des Austausches und der Zusammenarbeit wie eine Monstranz vor uns her getragen, Messdiener durch Unternehmensberater ersetzt und der Baldachin über dem Controller, der seine Ländereien abschreitet und an der einen oder anderen Station innehält, um eine Rede über die Betriebswirtschaftlichkeit zu halten.
Ganz ehrfürchtig lauschen wir seinen Worten, im Herzen voller Verständnis für die globale und allgemeingültige Grundhaltung. Wir tauchen ein ins Metaverse, verorten uns in den Endlichkeiten zwischen Software und Avataren. Nur als Komponenten einer Blockchain mit Badeoption im Data Lake fühlen wir die Unwichtigkeit unserer Existenz als Human Ressource, deren Produktivhaltung nicht mehr als Arbeitsvertrag, sondern als Wartungsvertrag sichergestellt wird. Da liegt es nahe, die Supply Chain der Mitarbeiter durch Bevorratung in einer effizienten Form darzustellen, wozu energieoptimierte und möglichst kostenneutrale Ersatzteillager menschlicher Kompetenz gehören.
Deutlich erkennt man, dass die aktuellen Konzepte wie das Alternativangebot von Free Seating oder mobilem Arbeiten nur ein vorübergehender Zustand sein können. Bezahlt in diesem nur halb fortschrittlichen Modell der Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz im Homeoffice selbst, so kann er in den nächsten Schritten über Human Agility zur Human Cloudability und weiter in Richtung Knowhow-on-demand weiterentwickelt werden. Gerade die Skalierbarkeit von menschlicher Denkleistung stellt die Unternehmen ja bislang vor erhebliche Herausforderungen, der man durch Container-Technologie zur Haltung von Fachexperten begegnen kann.
Und genau dafür bietet der old school Ansatz der Großraumbüros die richtige Basis. Mein Votum also eindeutig in Richtung Schreibtischhaltung bei gleichzeitiger Ausweitung des Outsourcings auch auf die bislang festangestellten Kolleginnen und Kollegen. Warum sollte man Menschen fest einstellen, wenn die angeforderte Arbeitsleistung bei Computern nach Bedarf erhöht oder verringert werden kann. Stabile Unternehmen werden sich auf Dauer nur mit Mitarbeitern halten können, die ein agiles Mindset mitbringen, ihre Arbeitsleistung on-demand erbringen und uneingeschränkt Multitasking-fähig sind.
Ein Hoch demnach auf alle Formen der Verdichtung, sei es im Bereich der Arbeits-Quantität oder der räumlichen Kompression.